Verliebt in Bad Freienwalde
"Ick bin Urberliner" erzählt Stein munter drauf los. Allerdings hätten seine Frau und er auch nach einem Zweitwohnsitz gesucht, der etwas ruhiger gelegen ist. "So etwa im Umkreis von 50 Kilometern um Berlin", so Stein. In Bad Freienwalde sei er schon im Jahr 1988 mal gewesen, seine Begeisterung für die Stadt hielt sich damals aber in Grenzen, gibt er zu. Genauso wie bei der Idee seiner Frau, sich doch auch in Bad Freienwalde nach einem Wohnsitz umzuschauen. Die Eindrücke von damals hätten noch nachgewirkt.
Umso erstaunter sei er gewesen, als er die Kurstadt vor wenigen Jahren wieder erblickte und sie sich ihm komplett verwandelt präsentierte. "Hier hat sich ja so vieles getan und es ist ein richtig schöner Ort geworden", so Stein. Es war also sozusagen eine Liebe auf den zweiten Blick.
Mit dieser Liebe zur Stadt entstand dann auch die Begeisterung für ganz Brandenburg und der Wunsch, Bücher, die in Brandenburg – im Idealfall sogar in Bad Freienwalde – spielen, zu verlegen. Das Kaffeehaus - eine Liebe in Brandenburg dreht sich um einen jungen Mann, der nach der Trennung von seiner Freundin zusammenbricht. Anstatt den Schmerz in den Clubs der Hauptstadt zu betäuben, wagt er den Schritt ins Umland, wo die Realität viel näher wirkt. Auf seiner Reise, die ihn bis nach Litauen und Italien, aber eben immer wieder auch zurück nach Brandenburg führt, begegnet er allen möglichen Leuten und Orten – auch Bad Freienwalde.
Mittendrin statt nur dabei
Das Besondere an regional verorteten Romanen oder Krimis ist natürlich, dass Leser, die in dieser Region leben, das Gefühl bekommen, sie wären mittendrin in der Geschichte statt nur dabei, eben weil sie die Handlungsorte kennen.
Theodor Fontane ist natürlich der Dichterfürst der Region, im vergangenen Jahr wurde der 200. Geburtstag des Schriftstellers aus Neuruppin mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Und auch ihn hat Detlef W. Stein verlegt. Die ersten beiden Bände einer zehnteiligen Reihe mit Fontane-Texten sind im Anthea Verlag bereits erschienen. Zum einen "Von der schönen Rosamunde" zum anderen "Tod am Schipkapass". Der dritte Band, der in 14 Tagen erscheint, wird den Titel "Auf nach Freienwalde" tragen und enthält auch eine Chronologie der Stadtgeschichte von Bad Freienwalde.
Paul Rehfelds Roman Grenzbahnhof beleuchtet die gesellschaftlichen Entwicklungen und Familiengeschichten von Menschen, die im Oderbruch leben, zwischen 1945 und dem Beginn der 1990er Jahre.
Außerdem hat Stein auch noch eine Bibliografie über Bad Freienwalde und das Oderbruch in Planung. In dieser sollen Texte der vergangenen 250 Jahre erscheinen, in denen die Orte und Institutionen der Region eine Rolle spielen. Dieses Projekt nehme allerdings viel Zeit in Anspruch, erscheinen werde das zweibändige Werk wohl erst in zwei Jahren, so der Verleger.

Lesungen in Corona-Zeiten


"In der Corona-Zeit sind Lesungen schwer planbar", erklärt Verleger Detlef W. Stein. Es bringe ja nichts, eine Lesung für zehn Leute zu veranstalten, wenn man eigentlich mit 50 oder noch mehr Besuchern rechne. Dennoch will Stein Lesungen organisieren. Eine steht gar schon fest: Am 4. Juli wird Paul Rehfeld aus seinem Roman "Grenzbahnhof" lesen. Und zwar beim Tag der offenen Tür in Küstrin-Kiez im Bahnhof. Lesungen aus den Fontane-Bänden soll es gegen Ende des Jahres geben – "auch in und um Bad Freienwalde herum", so Stein. Genaue Termine dafür gebe es bislang allerdings noch nicht. Dafür sei im Moment eben alles noch zu unsicher, erklärt der Verleger. jk