"Ich bin als Landwirt geboren", sagt Kurt Müller auf die Frage, seit wann er eigentlich in der Landwirtschaft tätig ist. Schon seine Eltern hatten einen landwirtschaftlichen Betrieb. "Genau wie über 80 weitere Leute hier im Ort", erinnert sich Kurt Müller. 28 Jahre war der 1944 geborene Neurüdnitzer in Neulewin tätig, bevor er 1991 den Hof übernommen hat.
Knapp 600 Hektar hat die Kurt Müller GmbH und Co. KG, deren einer Geschäftsführer er ist, unter dem Pflug. Getreide, Zuckerrüben, Raps und Futtererbsen werden dort angebaut. "Und ein wenig Mais. Lediglich für die Fruchtfolge", sagt Müller. Der Fruchtwechsel ist ihm wichtig. Zu einem aus wirtschaftlicher Sicht für die Erträge, zum anderen aus Verantwortlichkeit dem Boden gegenüber. Aber auch aus der Sicht des Jägers sieht er den Maisanbau kritisch. "Da bekommen sie die Schweine nicht mehr raus", weiß er.
20 Hektar Mais hatte er im vergangenen Jahr angebaut. "Ernten konnten wir dann noch. Aber den Acker neu bestellen, das ging nicht mehr." Die Fläche war schon im vergangenen Herbst schlichtweg zu nass. Eigentlich sollte Winterweizen auf dem Schlag ausgebracht werden. Nun jedoch bleibt ihm nichts weiter übrig, als mit der Aussaat bis zum Frühjahr zu warten.
Mit seinem Geländewagen und in Gummistiefeln zeigt Kurt Müller die zum Teil völlig vernässten Flächen. In Richtung Bienenwerder geht es an seinen 50 Mutterkühen im Stall am ehemaligen Gutshaus vorbei. "Die würden zurzeit bis zum Bauch im Wasser stehen", sagt Kurt Müller. Lediglich im Sommer bringt er die Tiere auf die Weideflächen. "Dort, wo das Schilf wächst", berichtet Müller, "waren früher Wiesen, die mit der Hand gemäht wurden." Und biegt auf den Oderdamm ein. Dass die odernahen Wiesenflächen auch früher nass waren, sei klar, meint er. "Aber es ist besorgniserregend, wie voll der Parallelgraben ist." Der Landwirt vermutet, dass der Abfluss nicht richtig gewährleistet ist. Drei grundlegende Probleme hat der Neurüdnitzer, der in der Gemeinde Oderaue Gemeindevertreter ist, ausgemacht: Da ist der seit Herbst sehr hohe Wasserstand der Stromoder, da ist die Alte Oder, die verschlammt und verkrautet ist, und da sind die Gräben, in denen der Biber sein Unwesen treibt. Drei Biber durften bisher "entnommen" werden, wie es im Behördendeutsch heißt. "Der gehört hier einfach nicht her", beharrt Kurt Müller, der seine Meinung darüber auch vehement als Kommunalpolitiker vertritt. Und: "Die Krautung der Gräben ist das A und O. Doch die wird durch die Naturschutzauflagen behindert."
Erschwerend hinzu kommen in diesem Jahr die vielen Niederschläge. Zwar sei die Lage noch nicht existenzgefährdend, aber, wenn es so weiter geht, sehr besorgniserregend, ist Kurt Müller überzeugt. Jeden Tag ist er unterwegs, beobachtet seine Flächen und wie sich die Lage entwickelt. Außer in Neurüdnitz und bis zum Spitz und nach Bienenwerder liegen seine Äcker auch in Zäckericker Loose oder Neulewin. Die Probleme seien überall die gleichen. "Der Biber macht die Gräben zu", sagt Müller. Das ließe nicht nur die Kosten steigen, sondern gefährde die Kulturlandschaft des Oderbruchs. "Der Biber muss weg", fordert er.