„Natürlich kostet eine Reaktivierung der Strecke Geld. Aber vor einer solchen Investition sollte man nicht zurückschrecken, wenn man dadurch viel gewinnen kann.“ Die gebürtige Leuenbergerin Lea Behringer spricht aus, was viele Leute in der ganzen Region denken. Gemeinsam mit ihrer Schwester Hanna (20) hat die 23-jährige Studentin eine Petition zur Reaktivierung der Bahnstrecke zwischen Wriezen und Werneuchen und damit zum verkehrstechnischen Anschluss an Berlin ins Leben gerufen.

Junge Leute brauchen Perspektive

„Bislang haben wir noch nicht so wahnsinnig viele Unterschriften zusammenbekommen“, erzählt Lea Behringer. Das liege aber vielleicht auch daran, dass es den Leuten zu mühsam sei, die Liste – die auch auf den Homepages verschiedener Ämter der Region abrufbar ist – auszudrucken, dann Unterschriften zu sammeln und dann einzureichen. Doch die beiden Schwestern sind überzeugt, dass es die Mühe wert ist. „Ich studiere zwar derzeit in Greifswald, möchte danach aber schon gerne wieder in die Region Höhenland zurückkommen“, erzählt Lea Behring. Dazu brauche es aber auch Perspektiven beruflicher und privater Natur. Und dafür sei eine bessere Anbindung an Berlin wichtig. Schon jetzt gebe es ja viele Berufstätige, die zwischen dem Oderbruch und Berlin pendeln. Umgekehrt gebe es viele Touristen, die aus der Hauptstadt gerne in den ländlichen Raum kommen. Mit einer besseren Bahnanbindung könnten die Straßen deutlich entlastet werden, nennt Lea Behring nur einen Grund, warum die Reaktivierung der Strecke Sinn machen würde.

Impulse aus der Bevölkerung wichtig

Bei dem Thema sieht die Studentin auch sich selbst und alle Bürger in der Verantwortung. „Wenn die Politiker der Region Oderbruch und Höhenland sich schon darum bemühen, dass die Strecke wieder in Betrieb genommen wird, sollten auch Zeichen aus der Bevölkerung kommen, dass diese Initiative unterstützt wird“, macht sie deutlich, welche Motivation sie und ihre Schwester dazu gebracht hat, die Petition ins Leben zu rufen. Daher habe sie sich auch dem Verein angeschlossen, der von Steffen Blunk aus Wriezen ins Leben gerufen wurde. Blunk und seine Mitstreiter machen sich ebenfalls für die Reaktivierung der Strecke Wriezen/Werneuchen stark. Überhaupt gebe es viele Leute, sowohl in der Region aber auch in Berlin, die diesem Thema sehr positiv gegenüber stehen, weiß die junge Frau aus vielen Gesprächen, die sie inzwischen geführt hat.

Kulturerbe-Siegel wäre wichtiges Zeichen

In dem Zusammenhang sei es sicher auch ein wichtiger Impuls, dass die Bundeskulturministerkonferenz am Mittwoch das Oderbruch für das Europäische Kulturerbe-Siegel nominierten. Dieses Siegel würde nochmal deutlich mehr Aufmerksamkeit auf das Oderbruch und die gesamte Region lenken, ist Lea Behring überzeugt. „Gerade im Bereich Tourismus würde das sicher einiges bewegen. Und dafür wäre es natürlich wichtig, wenn die Menschen auch mit öffentlichen Verkehrsmittel in die Kulturerbe-Region kommen könnten“, wirft sie schon einen Blick voraus, wenn es mit dem Siegel denn tatsächlich etwas werden sollte.

1000 Unterschriften als Minimalziel

Sechs Monate wollen Lea und Hanna Behring ihre Petition im Netz stehen lassen und hoffen dabei auf mindestens 1000 Unterschriften, die dann an den Minister für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Guido Beermann (CDU) überreicht werden sollen. 1000 Unterschriften seien vielleicht nicht so wahnsinnig viel, aber grundsätzlich müsse jede Petition vom Petitionsausschuss gleich behandelt werden, weiß Lea Behring auch aus Gesprächen mit einer Umwelt-Juristin. Und natürlich hofft sie auf noch viel mehr Unterschriften. Denn je mehr Menschen sich für das Thema stark machten, desto größer werde der Druck auf die Landesregierung.
Ein großer Vorteil der Bahnstrecke zwischen Wriezen und Werneuchen sei, dass sie noch nicht entwidmet ist. Eine Wiederinbetriebnahme könne daher relativ problemlos geschehen, so Lea Behring. Die Petition ist unter anderem auf der Seite des Amts Falkenberg-Höhe einzusehen und herunterzuladen.