Wie wird eigentlich das hergestellt, was auf unseren Tellern landet? Dieser übergreifenden Frage widmet sich in etlichen Einzelaspekten immer ein gewichtiger Teil der Streifen im Filmangebot, aus dem die jeweiligen Veranstalter auswählen. "Das System Milch" erzählt in 90 Minuten aus einem halben Dutzend Blickwinkeln, was in der Milchproduktion alles falsch läuft. Die Doku wechselt zwischen deutschen, holländischen und Südtiroler Bauernhöfen, konventionell oder bio, den Großmolkereien bis hin nach China und Afrika.
"Kühe sind zweckoptimiert, Hochleistungstiere", heißt es an einer Stelle. Schockiertes Kopfschütteln bei mehreren im Raum, als Kamera und Mikro auch Szenen auf dem "Laufsteg" einfangen: In einer Halle in Norditalien lässt die Elite der Turbokuh-Züchter ihre vierbeinigen Milchgeber-Athleten aufmarschieren. Vom lange im Keller verharrenden Milchpreis, der europäische Bauern nur noch mit EU-Förderungen überleben lässt, ist ebenso die Rede wie vom Gülleproblem, der die Regenwaldrodung in Südamerika forcierenden Soja-Zufütterung und immer mehr Milchprodukten, die gerade in Asien gefragt sind. Weshalb in China, mit Beteiligung westlicher Konzerne wie Arla und Danone, dortige Molkereien Riesenfarmen mit 10 000 Kühen die Milch abkaufen. Derweil ruinieren EU-subventionierte Milchpulver-Exporte in afrikanischen Ländern wie Senegal einheimische Kleinbetriebe.
Dem ungesunden Trend einer hochindustrialisierten Milchproduktion widersetzen sich Anja Hradetzky und ihr Lebenspartner, die in Stolzenhagen (Barnim) ihren Öko-Hof Bunte Kuh immer weiter ausbauen. Erst seit Dezember ist ganz neu die Käserei in Betrieb, Kostproben hatte sie nach Reichenow mitgebracht. Wo die engagierte Jungbäuerin (ergänzend zu einer NDR-Doku über ihren Hof) im Detail berichtete, dass Alternativen möglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Sei es, die Kälber bei den Mutterkühen bzw. Ammen zu belassen oder generell auf wesensgemäße Haltung der Tiere zu achten.
Schon vor Jahrtausenden hat der Mensch die Honigbiene zu einem Nutztier gemacht. Gerade in China gibt es aber heute riesige Flächen, wo gar keine mehr fliegen, die Obstbauern ihre Birnenbäume als "menschliche Bienen" sogar per Hand bestäuben müssen. "Ausgebrummt", der erste Beitrag am Sonnabend, beschäftigte sich mit dem auch in Deutschland nachweisbaren Insektensterben. Gleich danach schloss sich "Biene Majas wilde Schwestern" an - eine überaus lehrreiche Doku über die Lebensweise von Pelz- und Wollbiene, Mohn- und Blattschneidebiene, Rotschopfiger Sand- und Gehörnter Mauerbiene. Mehr als 550 Arten gibt es deutschlandweit, viele inzwischen äußerst selten - gerade die auf einzelne Pflanzen hochspezialisierten Vertreter.
Über Sätze wie "Wildbienen sind Morgenmuffel" mochte mancher zwar schmunzeln - ernst sei der Populationsrückgang in der wilden Verwandtschaft der Honigbiene aber allemal, bestätigte auch der Reichenower Hobbyimker Martin Hollants als fachkundiger Gesprächspartner. Und die auf vielen Feldern mit Pestiziden ausgebrachten Neonikotinoide schädigen die "gezähmten" Honigproduzentinnen und ihre Cousinen mit Verlust des Orientierungssinns gleichermaßen.