Ein Zwischenschritt. Denn noch bleiben an der Oma schätzungsweise 100 Arbeitsstunden zu leisten, schätzt der junge Frankenfelder. Oma, das ist der allgemeine Spitzname, unter dem Oldtimerfreunde wie der 16-Jährige den Trecker dieser Baureihe aus dem Traditionswerk in Nordhausen kennen. Wer die weitaus trockenere Fachbezeichnung sucht, wird auf das Kürzel RS-0-4/30 stoßen.
Rund zwei Monate sind vergangen, seit die MOZ den jugendlichen Treckerliebhaber, der sein Faible für betagte Fahrzeuge und das Bastlergeschick beim Wiederherrichten gewissermaßen von Vater Jörg geerbt und über die Jahre entwickelt hat, zuletzt besucht hatte. Da war die Oma gerade erst kurz zuvor auf den Hof gerollt, gewissermaßen als Ersatz für eine andere Anschaffung, die sich wegen eines massiven Getriebeschadens als nicht mehr reparabel erwiesen hatte. Zumindest nicht ohne weitaus größeren Aufwand.
An der Oma hingegen hat sich in diesen neun Wochen seit Ende März viel getan. Gerade war Jonas Gerchow noch mit einem der zuvor rostigen Kotflügel beim Schweißen in der Werkstatt beschäftigt, der andere liegt schon fertig aufbereitet weiter hinten zum erneuten Einbau bereit. Es sind gewissermaßen die vorletzten Arbeitsschritte in dem ganzen Sanierungswerk für das etwas vom Zahn der Zeit angenagte, aber im Kern noch sehr solide Gefährt. Immerhin etwa 150 Quadratmeter alte Blechteile mussten aber herausgeschnitten werden, erzählt Jonas, der in diesen Zeiten mit dem Mehr an Freizeit durch Corona auch noch seine Prüfungen für den Mittleren Schulabschluss ablegt. Zwei der vier sind schon gelaufen, die anderen beiden folgen diese Woche.
Sein Kumpel Domenik Puhl hilft dem jungen Bastler unterdessen bei einigen Handgriffen, hat sich gerade mit Wasserschleifpapier die Kühlerhaube vorgenommen. "Der Vorteil daran ist, das nimmt nicht so viel Metall weg beim Schleifen", erklärt Jonas Gerchow fachmännisch. Am Ende soll die Oma mit Glanzlack lackiert werden – welcher Farbton, das bleibe noch geheim.
Eigentlich hätte am 16. Mai hinter Gerchows Hof wieder das jährliche Oldtimertreffen stattfinden sollen. Die coronabedingte Absage hat der Junior gut weggesteckt, hatte genug Ablenkung. Und die nächste Oma, erworben von einem Vorbesitzer in Löhme, steht schon bereit. Sie wird sich als Projekt gleich anschließen, mit weitgehender Fertigstellung bis August, wie der Frankenfelder hofft. Denn wenn er seine Tischlerausbildung beginnt, bleibt weniger Zeit zum Basteln.