Nahezu jede Frau erliegt ihm im Laufe des Lebens: dem Schuhtick. In jeden gut sortierten Schrank gehören High Heels zwingend dazu. Doch was gut aussieht, muss nicht zwingend gesund sein. Dr. Hagen Hommel, Chefarzt im Krankenhaus Wriezen, warnt vor allzu hohen Hacken.
Endlose Beine, schlanke Silhouette, eleganter Auftritt - die Vorteile hoher Schuhe liegen klar auf der Hand. Auch für den Betrachter, zu denen selbst der Facharzt für Orthopädie zählt. "Für das Auge mag das durchaus positiv sein, weil der Schuh die Ferse erhöht, eine vorgebeugte Körperhaltung erzeugt, Po und Brust betont und Frauen aufrechter stehen", sagt Dr. Hagen Hommel. Aber: Je höher, desto besser - das ist auf Dauer alles andere als gesund. "Wenn Frauen über lange Zeit hohe Schuhe tragen, hat das Auswirkungen auf Füße, Knie, Hüfte und Rücken."
Mit der Bezeichnung High Heels meinen Eingeweihte vor allem Schuhe mit sehr hohen Absätzen. Die aber bergen gleich mehrere Gefahren. Vor allem die des Umknickens auf unebenem Untergrund. Doch auch wer gefahrfrei in den Stöckelschuhen unterwegs ist, muss bei dauerhaftem Tragen mit verkürzten Muskeln und Schmerzen rechnen. "Rücken- und Kopfschmerzen sowie Migräne sind die Folge, weil der Körper die unnatürliche Körperhaltung im unteren Rücken ausgleichen muss. Dadurch verspannt sich die Muskulatur", beschreibt der Mediziner die Vorgänge im Körper. Das Gesündeste sei es barfuß zu laufen. Weil das aber nicht immer und überall möglich ist, sollte der Schuh breit sein, mit Luft zu allen Seiten und mit einem ausgearbeiteten Fußbett. Aber, schränkt Dr. Hommel ein, "das sieht einfach nicht gut aus".
Die Umstellung von Stöckelschuhen auf flache Beinbekleidung will geübt sein. Gerade Frauen, die jahrelang nur auf den hohen Absätzen unterwegs waren, müssen die Muskeln erst wieder aufbauen. Ein weiteres Problem sind die in den meist schmal zulaufenden Schuhspitzen eingequetschten Zehen. Neben schmerzhaften Druckstellen, begünstigt die unnatürliche Haltung auch die Ausbildung von Fußfehlstellen.
"Schon nach sechs Monaten können die Probleme beginnen", weiß der Facharzt. Insbesondere Diabetikern sei vom Tragen der hochhackigen Beinbekleidung abzuraten. "Sie haben ein geringeres Schmerzempfinden der Haut und eine gestörte Durchblutung, sodass Wunden schlechter verheilen", klärt Dr. Hommel auf. Auch für Kinder seien High Heels nichts. "Erst wenn das Skelett ausgewachsen ist, also mit 14 oder 15 Jahren, sollte das erlaubt werden", empfiehlt er. Zwei bis drei Zentimeter hohe Schuhe seien völlig unerheblich, erst ab fünf Zentimeter hätte das Tragen dieses Schuhwerks gesundheitliche Folgen.
Der Gegenentwurf zu den hochgeschraubten Absätzen sind die ebenfalls im Sommer sehr beliebten Flip Flops. Flach und luftig, aber auch gesund? Auch darauf angesprochen, schüttelt der Facharzt den Kopf. "Weil die Zehen sich beim Laufen festkrallen müssen, um den Schuh beim Laufen nicht zu verlieren", begründet Dr. Hommel.