Da knirschte nichts am Dienstagabend. Das Gebäude der Amtsverwaltung Barnim-Oderbruch schien unter einer Glocke aus Harmonie zu liegen. So viel Einigkeit herrscht selten, wenn der Amtsausschuss zusammenfindet. Die Sitzung war unterdessen in mancherlei Hinsicht besonders. Zum einen waren alle zwölf Mitglieder anwesend. Zum anderen saßen etliche Gäste mit am Tisch. Unter der hochkarätig besetzten Delegation aus dem polnischen Nachbarland war unter anderem der Vizemarschall der Wojewodschaft Westpommern, Jaroslaw Rzepa, Cedynias Bürgermeisterin Gabriela Kotowicz sowie die Leiterin der Landschaftsverwaltung Dorota Janicka. Ihr Anliegen: die touristische Nutzung der Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki.
Das Brücken-Projekt stand erneut auf der Tagesordnung. Es galt einen Beschluss zu fassen, mit dem Amtsdirektor Karsten Birkholz beauftragt wird, Fördermittel zu beantragen. So viel vorweg: Der Beschluss fiel einstimmig zugunsten des Vorhabens aus. Zunächst aber machten die polnischen Nachbarn eindringlich und mit vollster Überzeugung deutlich, wie sehr sie das Vorhaben unterstützen und wollen.
Vizemarschall Rzepa gab als erstes einen Überblick über den Stand der Dinge aus polnischer Sicht. Er sagte, er sei überzeugt, dass das Projekt gelingen und die Brücke zur touristischen Nutzung in Betrieb gehen werde. "Wir wissen aber auch", sagte er weiter, "dass die Zeit läuft. Wir möchten deshalb unseren Beitrag leisten, Anträge schnell stellen zu können und das Vorhaben bald in Angriff zu nehmen." Als Förderbasis nannte er die Interreg-Mittel. Sämtliche auf polnischer Seite beteiligten Gemeinden hätten sich bereits zusammengetan und das Vorhaben befürwortet. "Nicht zuletzt aus finanzieller Sicht ist das Projekt mit 1,5 Millionen Euro beachtlich." Der polnische Teil der Brücke gehöre der dortigen Bahn. Die Bahnstrecke solle der Gemeinde Cedynia übergeben werden, erklärte Rzepa weiter. Dieser Schritt sei hinsichtlich der Nachhaltigkeit wichtig. Cedynia werde außerdem Vorhabenträger und für die Bauarbeiten zuständig. Die Rolle des Bauherren übernehme unterdessen die Wojewodschaft Westpommern. Nach der Baumaßnahmen werde das Werk der Gemeinde Cedynia übergeben. "Aus unserer Sicht", machte Rzepa mehrfach deutlich, "besteht keine Gefahr, dass wir das Ziel nicht erreichen." Nun sei der deutsche Partner gefragt. Noch offene Fragen sollten schnellstens geklärt werden, da der Zeitraum der Planung nur auf vier Monate begrenzt sei, so Vizemarschall Rzepa.
Cedynias Bürgermeisterin Gabriela Kotowicz erinnerte an die lange Zeit, die das Vorhaben Europabrücke bereits zwischen den beiden Ländern besprochen werde. "Seit zehn Jahren setzten wir uns dafür ein", sagte sie. "Und: Wir waren noch nie so nah am Ziel unserer Brückenträume." Diese sei ein offenes Fenster, das die Länder mehr verbinde, und eine wichtige Etappe beim polnischen Radwegebau "Pommern", deren Strecke insgesamt 1800 Kilometer betragen würde. "Ich bin sehr überzeugt", sagte Gabriela Kotowicz, "dass wir das gemeinsam zu Ende bringen werden und in ein paar Jahren auf ein erfolgreiches Vorhaben blicken."
Auch Barnim-Oderbruchs Amtsdirektor Karsten Birkholz zeigte sich zuversichtlich, was die Umsetzung des touristischen Anziehungspunktes in seinem Bereich betrifft. Er nannte die Aussicht auf die Herrichtung zweier Brücken eine einmalige Chance. Hielt aber nicht mit dem "Fingerzeig des Landkreises Märkisch-Oderland" hinter dem Berg, der mit einer Verfügung zuletzt die Nutzung der Brücke für Draisinenfahrten aus naturschutzrechtlichen Gründen untersagt hatte. "Die geforderte Umweltverträglichkeitsprüfung ist im März angelaufen", so Birkholz. Die Tatsache werde die Aussicht auf eine Fördermittelzusage erhöhen. Das Ergebnis des Gutachtens werde in das Gesamtvorhaben einfließen. Amtsdirektor Birkholz sagte: "Das ist ein gutes Signal, das wir dem Vizemarschall für das gemeinsame Projekt mitgeben können."