Leerstand, Gastronomen, die aufgeben, und Tristesse prägen das Bild vieler deutschen Innenstädte allzu oft gerade im ländlichen Raum. Doch es gibt Ausnahmen: Ladenkonzepte und Ideen, die trotz aller Unkenrufe funktionieren.
So etwa beim Laden "Oderbruchware" in der Königsstraße 7 in Bad Freienwalde. Auf rund 87 Quadratmetern Verkaufsfläche ist das Geschäft gemütliches Café und exklusiver Lebensmittelladen zugleich. Angeboten werden in zentraler Lage eine Reihe von regionalen Produkten, so etwa Mostrich aus Wriezen,  Schnaps aus Grumsin und Seife aus Oderberg. Martin Podoll, dessen Frau Susan Mücke Mitinhaberin ist, kann stundenlang über die Produkte erzählen. Seine Lieferanten kennt das Team des Ladens nämlich ziemlich gut: Sie wissen, welche Inhaltsstoffe verwendet werden, wie produziert wird und was das Besondere der Lebensmittel ist.
So etwa das Fliedermus aus Boitzenburg. Das haben einst die französischen Hugenotten erfunden, als sie im märkischen Sand verzweifelt nach Rotwein für die Braten-Soßen gesucht haben. Fliedermus wird aus Holunderbeeren hergestellt und bringt Frucht und Säure ins Essen. Etwas Besonderes sind auch die Spirituosen von Dr. Schulz, der die Kräuter für Schnaps und Absinth höchstselbst in heimischen Wäldern sammelt. "Unser Laden ist die Visitenkarte der Region", so Mitinhaberin Susan Mücke. Kleine Produzenten von Gemüse, Eiern, Senf und Seife haben hier ihren Platz im Regal, denn bei großen Händlern wie Edeka und Netto hätten diese meist keine Chance. Und so finden sich viele einzigartige Spezialitäten im Laden. "Hier findet jeder ein passendes Weihnachtsgeschenk", so Tanja Krüger, die bei Oderbruchware für die Finanzen zuständig ist. Beliebt seien die Präsentkörbe, sogar der Wriezener Bürgermeister kaufe sie für seine Ehrengäste, ergänzt Podoll.
Doch Oderbruchware ist mehr als nur ein Laden, es ist zugleich ein kleines Café, in dem Brote, Mittagessen und Snacks angeboten werden. In der Königsstraße 7 war bereits vor hundert Jahren ein Café, weiß Martin Podoll zu berichten. In den 20er-Jahren wurden in Kaisers Kaffee-Geschäft neben Kaffee und Kuchen auch Konserven und Wein angeboten. "Wir knüpfen somit an die gute alte Kaffeehauskultur an", so Podoll. Die Kundschaft im Café sei gut durchmischt. Hier treffen sich Alteingesessene und Zugezogene gleichermaßen. Die ursprüngliche Idee der Gründer war es, ein Café für die Jüngeren und Zugezogenen in Bad Freienwalde zu öffnen. Für die Älteren gebe es genügend Angebote, so ihre Standortanalyse, als sie 2017 den Laden eröffneten. An der modernen, fast hippen Speisekarte zeigt sich dieser Anspruch: Viele vegane und vegetarische Gerichte gibt es im Laden, zudem gluten- und lactosefreie Lebensmittel. Immer öfter würden auch die Älteren den Laden für sich entdecken. "Wir sind für alle da", meint Tanja Krüger. Vor allem die selbstgebackenen Kuchen und Torten erfreuen sich großer Beliebtheit. "Nur den klassischen Bockwurst-Esser müssen wir enttäuschen", so Tanja Krüger schmunzelnd. Einzigartig sind auch die selbstgemachten Brote: "Die Stulle feiert eine Renaissance", ist Martin Podoll überzeugt. Das Brot bezieht der OderbBruchladen von dem Traditionsbäcker von Allmen in Leuenberg. Auch beim selbstgemachten Softeis setzt das Team von Bruchware auf Qualität. Ihr Softeis produzieren sie mit guter Milch und hochwertigen Zutaten selbst.
Konzerte und Kurzfilme
Bei allen Produkten im Laden Bruchware gilt: Regionalität schlägt Bio. Lebensmittel, die aus der Region kommen, schaffen Wertschöpfung vor Ort und seien nachhaltiger, so Susan Mücke. In der Weihnachtszeit gibt es Samstagabend Konzerte oder Filme. So spielen am 14. Dezember Heike Matzer und Uwe Ballhorn ein Bossa-Nova-Weihnachtsspecial. Beim letzten Konzert musste der Laden leer geräumt werden, so voll wurde es. Ein Indiz, dass das Konzept der Jungunternehmer in der Provinz aufgeht. Wer hört schon auf Unken?!
Geöffnet ist das Geschäft jeden Tag außer mittwochs von 9 bis 18 Uhr. Ab Januar gibt es immer dienstags um 18 Uhr Konzerte, Lesungen oder Filme.

Vier Weihnachtsfragen an Susan Mücke


Ihr Lieblingslied?Den guten alten Klassiker Stille Nacht, heilige Nacht höre ich am Liebsten.

Was kommt zum Fest auf den Tisch?Wahrscheinlich wird es bei uns ganz traditionell und klassisch zubereitet Gänsebraten mit Grünkohl und Klößen geben.

Wie schmücken sie den Baum?Noch haben wir gar keinen. Wir suchen noch eine Plantage, in der wir ihn selbst schlagen kann. Ob es eine Nordmanntanne oder heimische Blaufichte oder Kiefer wird, ist egal. Am 24. Dezember vormittags schmückt die ganze Familie den Baum. Beim Schmücken setzen wir auf Glaskugeln in rot und silber. Ein paar alte Erbstücke und eine nostalgische Lichterkette sind auch dabei.

Ihr Wunsch?Ganz sentimental wünsche ich mir, dass sich die Menschen weniger streiten, liebevoller miteinander umgehen. sha