Während im Ende Mai beschlossenen Teilregionalplan Wind die Windeignungsgebiete im Oderbruch gestrichen wurden, sind die auf der Höhe geblieben oder vergrößert worden. In Prötzel sowie Reichenow-Möglin wirkt sich dies besonders deutlich aus. Dort wurde das Gebiet von 136 auf 352 Hektar vergrößert.
Von den geplanten zwölf Windrädern auf der alten Fläche seien neun gebaut worden, sagt Rudolf Schlothauer, Bürgermeister der Gemeinde Prötzel. Die Höhenbegrenzung einschließlich Rotoren war 2004 bei 212 Meter festgelegt. Jetzt seien neun Windräder geplant, die einschließlich Rotor bis zu 300 Meter hoch werden. „Ein Prötzeler bekommt Pacht, alle anderen zahlen drauf“. Prötzels Bürgermeister Rudolf Schlothauer ist enttäuscht über die verpasste Chance, die Einnahmen auf breitere Schultern zu verteilen. Die Idee sei gewesen, einen Flächenpool zu bilden. Dann hätten alle Landeigentümer, die im Windeignungsgebiet Flächen besitzen und seien sie auch noch so klein, anteilig Geld bekommen. „Davon hätten auch Flächeneigentümer profitiert, deren Grundstücke so klein sind, dass dort nie ein Windrad gestanden hätte“, sagt Schlothauer. Geplant war ferner, dass 0,75 Prozent der Einnahmen in eine Stiftung fließen. Die Kapitalerträge sollten dem Dorf zur Verfügung stehen. Doch die Gemeindevertreter hätten den Beschluss gekippt.
1000 Meter sei der Abstand der neuen Windräder zur Siedlungsgrenze. Das neue Windeignungsgebiet (WEG) dehne sich in Richtung Sternebeck aus, so dass die Belastungen für die Prötzeler nicht steigen, so der Bürgermeister. Bisher habe es wenig Widerstand gegeben. Er geht aber davon aus, dass viele Bürger erst aufwachen, wenn die Bagger rollen. Die Mehrheit der Flächen im Windeignungsgebiet gehören laut Schlothauer der Bodenverwaltungs- und -verwertungsgesellschaft (BVVG), eine Tochtergesellschaft des Bundes.
Die bisherigen WEG in Thöringswerder bei Wriezen mit 337.Hektar sowie das im alten Plan vorgesehene Gebiet zwischen Neulewin und Letschin mit 130 Hektar sind im neuen Regionalplan nicht mehr enthalten. Hochwassergefährdetes Gebiet ist in die Liste der Tabukriterien aufgenommen worden. Dennoch haben einige Betreiber noch kurz vor dem Auslaufen des Teilregionalplans von 2004 Anlagen repowert. Das heißt: Alte Windräder wurden durch neue ersetzt. Gestrichen ist allerdings auch das 54 Hektar große WEG bei Kruge/Gersdorf. Erlischt die Betriebserlaubnis vorhandener Windräder, müssen sie ohne Ersatz abgebaut werden.
Das WEG Wriezener Höhe im Raum Lüdersdorf, Biesdorf, Frankenfelde und Schulzendorf wurde von 241 auf 300 Hektar vergrößert. 34 Windräder stehen dort bereits, drei weitere wurden genehmigt.
Wenig Zuspruch erntet die Regionale Planungsgegemeinschaft im Raum Wölsickendorf-Wollenberg, wo das WEG von 69 auf 144 Hektar wächst und sich von Wölsickendorf in Richtung Krummenpfahl ausdehnt. Verkleinert um 16 auf 176 Hektar wird das Gebiet bei Heckelberg-Brunow. In Beiersdorf-Freudenberg wurde die Fläche von 272 auf 407 Hektar erweitert. Der Widerstand wächst bei den Bürgern der anliegenden Gemeinden. Sie fühlen sich von Windmühlen belästigt, die immer höher werden und deren Nachtbefeuerung immer zudringlicher blinkt.
Jens Koeppen, CDU-Bundestagsabgeordneter für die Uckermark und den Barnim, forderte jetzt von der Landesregierung, endlich ein Moratorium für den Windenergieausbau zu verhängen und einen Bürgerdialog zu organisieren. „Bereits vor einem Jahr habe ich in einem Schreiben dem Ministerpräsidenten dargelegt, dass der Windenergieausbau, wie er gegenwärtig in Brandenburg organisiert ist, uns zusehends die Akzeptanz für die Energiewende nimmt“, erklärte Koeppen.