Ein Aufatmen war bei Hartmut Raeck, dem Vorsitzenden des Reit- und Fahrvereins Altranft, zu vernehmen. Er war zufrieden, dass der zweite Turniertag mit perfektem Wetter beginnen konnte. "Da sich in der Nacht über Märkisch-Oderland und Altranft ein Gewitter entladen und der Regen den Platz gut gewässert hatte, konnten wir uns weitere umfangreiche Vorarbeiten sparen." Der Boden, in Altranft wird auf Gras geritten, war perfekt.
Reiter von damals berichten
"Das war früher ganz anders", erinnert sich Karl-Heinz Radow, der am Rande des Parcours saß und sich das Geschehen ansah. Er gehört mit zu den Ersten, die den Reitplatz in Altranft eingerichtet haben. "Früher war hier Sumpf und wir mussten die Fläche mit Gräben regelrecht trockenlegen und das Geläuf ordentlich verdichten." Der heute 70-Jährige ist selbst geritten und erinnert sich unter anderen an eine Teilnahme am Turn- und Sportfest in Leipzig. Auch bei Turnieren in der Region kannte man ihn als guten Springreiter. Gern erinnert er sich an sein erfolgreichstes Pferd. "Es hieß  Penestolz und war ein sehr aufmerksamer und gehorsamer Wallach", sagt er. "Das kann man heute nicht mit damals vergleichen. Die Mittel, die wir hatten, waren eben anders. Ne, neidisch auf die heutigen Bedingungen bin ich nicht. Es war auch für uns schön und vielleicht hatten wir sogar noch mehr Spaß als die Reiter heute."
Karl-Heinz Radow, oder "Kalle", wie sie ihn nennen, weiß, dass sehr viel Engagement notwendig ist, um diesen Sport zu betreiben. Und vor allem bei den Kindern und Jugendlichen bleibt da viel schon im Anfangsstadium liegen, wenn eben das Geld nicht reicht. "Damals gab es einen Trägerbetrieb. Die LPG Altranft sicherte in dieser Hinsicht eine Menge ab." Der Reitsportfan sagt auch: "Wenn man das heute sieht. Hier fahren riesengroße Trucks vor, die aus dem ganzen Land Brandenburg und sogar aus Mecklenburg-Vorpommern kommen. Die sind früh da und fahren gleich nach dem Turnier wieder nach Hause. Wir waren mit einem Traktor und zu Turnieren meist drei Tage unterwegs."
Erinnerungen an 1988
Radow erinnert sich noch an das erste Turnier in Altranft. "Das war 1988", wirft Hartmut Raeck ein. "Wir hatten damals einen großen Wassergaben als Hindernis aufgebaut. Und es hatte auch gar nicht lange gedauert, bis der erste Reiter drin gebadet hatte. Nein, ich vermisse heute nichts. Ich schaue mir das auch gern an", sagt Radow, der gelernte Fleischer.
Talent aus Altranft
Aus einer ganz anderen Generation von Reitern kommt Paul Schröder, der für den RFV Altranft an den Start ging. Er ist erst 13. "Paul hat für einen großartigen Auftakt für uns als Gastgeber  gesorgt. Er hatte am Freitag ein Springen gewonnen und wurde später Zweiter", freut sich Raeck. Am Sonnabend startete er erneut und wurde beim A-Stilspringen hinter ganz erfahrenen Springreitern mit einer guten Zeit immerhin Siebter. Er strahlte auf dem Abreiteplatz über das ganze Gesicht. Gab es eigentlich einen kritischen Moment? "Ja, gleich beim zweiten Sprung zickte mein Pferd Cute and Clever ein wenig", erklärte er fast schon routiniert. "Es ist eben eine Stute und da muss man schnell reagieren." Er ist seit drei Jahren richtig dabei und auch zum dritten Mal in Altranft am Start.
Paul Schröder gilt schon jetzt als ganz großes Talent. "Reiten ist meine ganz große Leidenschaft", erklärt er wie ein gestandener Reiter und nimmt dann aber seine 13-jährige Stute auch in Schutz. "Sie ist alles in allem ein ausgezeichnetes Springpferd und wir beide verstehen uns gut."
Anreise sogar aus Namibia
Lange nicht in Altranft war Caroline Oelkers. Sie hatte wohl die weiteste Anreise. Von Windhuk führte ihre Reise zum Turnier. "Natürlich ist es immer wieder schön, nach Hause zu kommen", sagt die junge Frau, die mit ihrer Familie in Namibia lebt. Ihr Mann Riccardo ist bei der deutschen Botschaft angestellt. "Das wirklich Schöne ist, wenn man so lange nicht zu Hause war und dann feststellt, hier hat sich nicht viel geändert. Die Gegend ist genauso schön geblieben und die Menschen sind immer noch nett wie früher", sagt die 29-Jährige, die auf dem Hof ihrer Eltern aufgewachsen ist. "Ich bin praktisch mit Pferden und dem Zuchtbetrieb, ganz in der Nähe vom Turnierplatz, groß geworden." Sie nahm die Teilnahme am Turnier mit Gelassenheit in Angriff. "Ich muss nicht unbedingt gewinnen, obwohl, der sportliche Ehrgeiz ist schon vorhanden."
Bis in den späten Sonntagabend ging das Turnier in Altranft. Die Ergebnisse folgen in einer der nächsten Ausgaben der Märkischen Oderzeitung.