Autofahrern fällt es sofort ins Auge: Das grüne Hinweisschild an der Bundesstraße 158 wirbt für das Hotel Eduardshof. Zwischen den Bäumen ist das blaue „H“ auf dem Dach zu erkennen. Verwunderung beim Vorbeifahren. Hieß es nicht, in Bad Freienwalde sei es schwierig, eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden? Wo also liegt hier das Problem – eine Spurensuche.
Das Problem liegt auf der Hand, wenn man nicht im Auto vorbeirauscht und dem Werbeschild Glauben schenkt, sondern auf dem Parkplatz des Hotels Eduardshof steht. Denn Hotelgäste sucht man vergebens. Die Anlage ist seit Jahren geschlossen – den Abbau des Schildes hat man wohl vergessen. Der 90er-Jahre-Bau verfällt zusehends. Der Innenhof und die Grünanlagen  mit den kleinen Teichen verwildern. Trostlos wehen Spinnweben an der verrosteten Wasserpumpe am Brunnen. Im Aschenbecher an der Drehtür am Eingang sammeln sich unzählige Zigarettenstummel. Die Fenster sind noch mit Gardinen aus dem vergangenen Jahrhundert verhangen, auf den Balkonen der Anlage macht sich Löwenzahn breit.
Selbst für jemanden, der nicht aus der Gegend kommt, wird schnell deutlich: Die Übernachtungsmöglichkeiten waren wohl nicht nur für Touristen ansprechend, sondern auch für Geschäftsreisende oder Tagungsgäste. Aber heute? Ein scheinbar verlassener Ort am Rande des Stadtzentrums.
Vor einigen Tagen hat Hans-Dieter Pohl in der Rubrik „Leser schreiben für Leser“ seine Suche nach der alten Kurstadt beschrieben. Das verkommende Hotel Eduardshof ist am Ende seiner Route. „Das Gelände hier hat so viel Potenzial“, sagt der 77-jährige Bad Freienwalder. Seiner Meinung nach könnte man das Hotel umbauen und dort vielleicht Wohnmöglichkeiten für Senioren schaffen. Die Infrastruktur mit dem nahegelegenen Einkaufszentrum biete dafür optimale Voraussetzungen.
Aber hat Bad Freienwalde wirklich kein Hotel? Die Suche im Internet ist ebenfalls zum Verzweifeln. Bei der Übernachtungs-Suchmaschine Trivago findet sich lediglich ein Angebot für die Kurstadt: die Pension am Kurbad. Auf dem Portal Booking.com wird noch das Café Lendner im Stadtkern geführt. Die Tourist-Information weist einige Ferienzimmer, -wohnungen und -häuser aus. Übernachten mit Gruppen oder die Organisation einer Tagung – Fehlanzeige.
Die Frage in der Fußgängerzone: „Ein Hotel? – So was haben wir hier nicht“, sagt ein Mann. Die Kurgäste würden in der Fachklinik wohnen und sonst komme ja keiner. Verzweiflung ist in diesen Sätzen zu hören und die erfasst mittlerweile auch den, der in Bad Freienwalde eine Hotelunterkunft sucht.