Es ist ein Thema, das Wriezens Stadtbrandmeister Thomas Keil schon lange unter den Nägeln brennt: Der Gefahrenabwehrbedarfsplan. Nun ist er froh, dass es ihn gibt, denn er ist eine wichtige Grundlage, um eine leistungsfähige Feuerwehr vorzuhalten, betont Keil. „Die Herausforderungen sind vielfältig und werden immer mehr.“ Schon 2013 und 2014 gab es in den Kommunen zu den Gefahrenschwerpunkten und Risikobeurteilungen Gespräche, erinnert sich der Wriezener. Damals lebte er noch in der Gemeinde Bliesdorf, 2011 kam er als Feuerwehrmann durch private Umstände in die Wriezener Feuerwehr, immerhin die älteste der Mark Brandenburg.

Fahrzeuge der Feuerwehr sind zu alt

Uralt sind auch die Fahrzeuge, über die die Wehren der Stadt Wriezen verfügen. „Wir sind die Kommune mit der ältesten Technik. Im Durchschnitt sind sie 24 Jahre alt“, berichtet Thomas Keil im Gespräch mit dieser Zeitung. „Eigentlich sollte das Durchschnittsalter bei zehn Jahren liegen.“ Und das ist noch nicht alles: Wie der Gefahrenabwehrbedarfsplan aufzeigt, fehlt es an vielen Dingen. Angefangen von Ausrüstungsgegenständen, normgerechten Feuerwehrgerätehäusern bis hin zu den Themen Löschwasserversorgung oder Tageseinsatzbereitschaft.
„Das ist in allen Kommunen ein großes Problem“, sagt der erfahrene Feuerwehrmann, der schnell nach seinem Wechsel nach Wriezen in die Ortswehrführung aufstieg und nun bereits seit 2015 den Posten des Stadtbrandmeisters bekleidet. Viele Feuerwehrleute sind in Lohn und Brot und haben oft weite Wege zurückzulegen. „Da haben wir in Wriezen noch Glück, das wir oft sogar zwei bis drei Fahrzeuge, wenn auch nicht vollbesetzt, rausschicken können“, so Keil. Immerhin verfügt dabei inzwischen auch jeder Feuerwehrmann und jede Feuerwehrfrau über die entsprechende Schutzausrüstung. Wenigstens an der Stelle konnte der jahrzehntelange Investitionsstau aufgehoben werden. „Bis jetzt haben wir 60 Ausrüstungen angeschafft, demnächst kommen 20 neue dazu“, freut sich Thomas Keil. Über 42 aktive Kräfte verfügen die Wriezener, insgesamt sind es neun Ortswehren.

Standorte der Ortswehren reduzieren

Zu viele, heißt es in der Empfehlung, die das Stadtparlament nun durchwinkte. Auf sechs Standorte soll reduziert werden. Dabei spielen nicht nur das Thema Wirtschaftlichkeit eine Rolle, sondern auch die Zahl der Mitglieder, der Fahrzeugbestand und der Stand der Ausbildungen. Und doch stecken vor allem persönliche Biografien dahinter – etwas, dass das Datenpaket nicht erfasst. Denn gerade die angedachten Zusammenlegungen seien ein sensibles Thema, weiß Thomas Keil.
Marder im Dachstuhl
Auf die Frage, wo er den dringendsten Handlungsbedarf sieht, lacht er und sagt: „Ich kann höchstens die Feuerwehren aufzählen, wo es nicht ganz so dringend ist.“ Dazu zählen Haselberg, Schulzendorf und Frankenfelde. Für Haselberg ist bereits ein Begleitfahrzeug geordert, das nun noch ausgestattet werden muss; für Schulzendorf und Wriezen ist man dabei, neue Fahrzeuge anzuschaffen. Das größte Problem für die Stadtwehr ist jedoch ihr in die Jahre gekommenes Hauptquartier: Zu eng, zu klein. Die Kleidung lagert in der mit drei Fahrzeugen ohnehin schon fast zu kleinen Halle. Der Versammlungsraum ist dunkel und oft zu klein. Und darüber treibt im Dach ein Marder sein Unwesen.

Neubau des Feuerwehrgerätehauses weckt Hoffnungen

Große Hoffnung setzen die Wriezener Kameraden in den angedachten Neubau. Das moderne Feuerwehrgerätehaus, der größte Posten im Wriezener Stadtbudget, ist an der Frankfurter Straße 17 angedacht. Die Pläne für den Bau, der sich momentan in Bauphase 3 befindet, sind der Ortswehrführung schon präsentiert worden: sieben Stellplätze, ein Waschplatz, ein Sozialtrakt in L-Form mit WCs und Duschen, Umkleiden, Küche, einer Kommandoleitstelle, Räumlichkeiten für die Jugendwehr und ein Lehrsaal gehören dazu. Als Wermutstropfen bezeichnet Thomas Keil, der den Neubau lieber in der Innenstadt – zum Beispiel am Schützenplatz – gesehen hätte, die Ausrückezeiten. „Jetzt haben wir noch Zeiten, die so manche Berufsfeuerwehr erblassen lassen“, so der Stadtbrandmeister. Das würde sich mit dem neuen Standort etwas außerhalb dann sicher verschieben, bedauert er. Und ist dennoch froh, dass die Planungen soweit gediehen, die Fördermittel beantragt sind. Denn alleine stemmen kann die Stadt das Millionenprojekt nicht. Doch dass es kommt, zeigt den Ehrenamtlern die Wertschätzung, die sie verdienen. Schließlich setzen sie bei manchen Einsätzen auch ihr Leben aufs Spiel, um anderen zu helfen.
Und noch eine gute Nachricht für die Stadt Wriezen und ihre Ortsteile: Ab Oktober tritt der erste hauptamtliche Gerätewart seinen Dienst an. Dafür wurden zuletzt Bewerbungsgespräche geführt, bei denen ein Aspirant aus der Region das Rennen gemacht hat.