"Wir müssen uns in rechtlicher Hinsicht an das Bauordnungsamt wenden und politisch gesehen an den Eigentümer Jürgen Lindhorst", fasste Imma Harms am Sonntag zusammen. Im Vereinslokal des Gutshofes hatten sich rund 25 Mitglieder der Bürgerinitiative mit Bürgern aus Reichenow an einen Tisch gesetzt. Um zu diskutieren, wie die Vergrößerung der bestehenden Schweinmastanlage in unmittelbarer Nähe zu verhindern sei. "Denn wir wollen zwar Landwirtschaft, aber keine Industrialisierung derselben", so die zentrale Forderung. "Wir sind nicht gegen Landwirtschaft, wir wollen nur eine andere", sagt Thomas Winkelkotte, Mitglied der Bürgerinitiative, während der Diskussion. Dabei müsse auch von Seiten der Bürgerinitiative (BI) erklärt werden, was sie unter "guter Landwirtschaft" verstünden. Das solle dann, dem Wunsch einiger aber nicht aller Mitglieder folgend, mit dem Besitzer der Lindhorst-Unternehmensgruppe, zu der auch die Landwirtschaftsgesellschaft Reichenow gehört, erörtert werden. Der Wunsch: Über die Gemeindevertretung, deren Mitglieder Imma Harms, Martina Hollants und Ralf Hickstein auch am Sonntag anwesend waren, alle Beteiligten zu einem Gespräch einzuladen. "Wir wollen die Bürgerinitiative und Jürgen Lindhorst an einen Tisch bringen", sagte Martin Hollants. Auch Reichenows neugewählter Ortsvorsteher Ralf Hickstein plädierte für einen Austausch der Argumente.
Darüber hinaus entstand der Wunsch der Bürgerinitiative, sich gemeinsam mit den Bürgern und den Landwirten der Gemeinde Reichenow-Möglin an einen Tisch zu setzen, um zu diskutieren, wohin sich die Gemeinde entwickeln möchte. Dafür sei eine Bürgerversammlung der richtige Rahmen, hieß es am Sonntag.
"Darüber hinaus brauchen wir als Gemeinderat aber auch etwas von den Bürger in der Hand", sagte Imma Harms. Sie wünsche sich ein formelles Schreiben von den Anwohnern, in dem sie "Gesicht zeigen", wie sie sagte. "Darin muss deutlich werden, dass sie damit rechnen, von der Vergrößerung der Mastanlage geschädigt zu werden, und dass sie das nicht wollen", ermunterte sie. Denn sonst habe die Gemeindevertretung zum Beispiel dem Bauordnungsamt gegenüber nichts in der Hand. An das wollen sich Imma Harms und Martin Hollants noch in dieser Woche wenden, um zu erfahren, welche Möglichkeiten für Einsprüche es gibt und wie die Fristen für etwaige Einwendungen sind.
Um weiter Bürger und auch Besucher der Gemeinde auf die durch die Lindhorst-Gruppe geplante Umnutzung eines alten Rinderstalls, in dem dann zusätzlich zu den vorhandenen Tieren 512 Mastschweine und 2000 Ferkel untergebracht werden sollen, aufmerksam zu machen, trifft sich die Bürgerinitiative am 6. Juli um 17 Uhr erneut. Im Gemeindezentrum in Reichenow wollen die Mitglieder dann weitere Schritte und Vorgehensweisen planen. Über alle Aktivitäten informiert zudem die Internetseite des BI .
Als weitere Zeichen des Protestes wurden und werden rosa-farbene Kreuze in der Gemeinde aufgestellt. Wie die gelben Holzkreuze gegen die Verpressung von CO2 sollen sie auf das Missfallen der Bürger gegen die Erweiterung der Mastanlage in Reichenow hinweisen.