So viele Menschen auf einmal wird das beschauliche Örtchen unmittelbar neben der Kreisgrenze zwischen Märkisch-Oderland und dem benachbarten Barnim nur selten erlebt haben. Denn auch etliche ehemalige Ackermannshofer sind der Einladung gefolgt, und beim Rundgang werden jede Menge Erinnerungen an Kindheit und Jugend wach. Zum Beispiel an den sogenannten Manöverweg: "Die Panzer rollten hier durch, haben auch ein Stück unserer Mauer weggefahren", berichtet Ilse Benecke aus Falkenberg, und andere in der Runde nicken bestätigend. Auch an die einstigen Teiche, gleich mehrere gab es, kann sich Ilse Benecke noch gut erinnern. "Seerosen waren da immer drauf, und gebadet haben wir ..."
Mit ihrem Mann ist sie zur Jubiläumsfeier angereist ebenso wie zwei ihrer Schwestern. Damals bewohnte die Familie das Haus mit der Nummer sieben, neben dem vormaligen Gutshaus das zweite altehrwürdige Gebäude, das noch erhalten ist. Vater Erich Karpe hatte die frühere riesige Scheune zum Wohnen ausgebaut, auch die Kinder, berichten diese, mussten mit anpacken. Wie andere Neusiedler waren Karpes Flüchtlinge von jenseits der Oder. Die umgebaute Scheune bot reichlich Platz. Doch wie es ihre Eltern geschafft hatten, vorher im Gutshaus mit ihnen zu sechst und nach Geburt des kleinen Bruders zu siebt in nur einem Zimmer zu wohnen, nötigt Ilse Benecke noch heute Respekt ab. Sie selbst zog nach Erzieherausbildung und Heirat 1964 endgültig aus Ackermannshof weg. Einige der vom Vater damals zahlreich gepflanzten Apfel- und Pflaumenbäume stehen noch. Und Waltraud Heusterberg, die ältere Schwester, erzählt von der zweiklassigen Dorfschule. Wegen des Unterrichts im Schichtsystem "hatten wir als Schüler im Wechsel morgens oder nachmittags frei". Ans Stromnetz sei die Siedlung damals noch nicht angeschlossen gewesen: "Bei Petroleumlampen haben wir abends gesessen, durchaus nicht einfach für Schularbeiten oder Lesen."
Woher Ackermannshof aber nun eigentlich seinen Namen hat, dazu gibt es beim Rundgang von Otto Schack einen Geschichtsexkurs. Viele Landadlige seien im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert verarmt gewesen, etliche Güter wechselten deshalb den Besitzer - erstmals auch in die Hände reicher Vertreter des aufstrebenden Bürgertums. Dazu gehörten die als Barone neu geadelten Vernezobre, Glasfabrikanten aus dem Hannoverschen Raum, die Hohenfinow sowie Kruge und Gersdorf übernahmen. Der Sohn wiederum ließ bei Ackermannshof eine Feldziegelei errichten - solches Baumaterial, betont Otto Schack, war damals sehr gefragt.
Namensgeber Ackermann war ein hochgebildeter preußischer Beamter, dessen genaue Lebensdaten im Dunkeln liegen. "Vermutlich um 1770 bis etwa 1830", schätzt Otto Schack und macht das daran fest, dass der königliche Leutnant für 1824 bis 1830 im Archiv des Deichamtes als Deichinspektor und Kondukteur (Bauaufseher) aufgeführt ist. Für Graf von Schulenburg, neuer Besitzer der Güter Kruge und Trampe, war er als Verwalter im Einsatz - und wollte zu einer Hofneugründung von seinem Herrn die Flächen dreier aufgegebener Bauernwirtschaften. Zwei erhielt er, baute 1812 neben diversen Wirtschaftsgebäuden das alte Gutshaus.
Als er schließlich kinderlos starb und Ackermannshof an den Grafen zurückfiel, teilte dieser das Gutshaus längs und quer, siedelte vier Landarbeiterfamilien darin an. Enge Wohnverhältnisse so wie nach 1945, als die Flüchtlinge aus dem Osten dort unterkamen, die später neue Hofstellen errichten. Rose und Otto Schack waren 1970 die ersten Künstler, die sich hier niederließen. Inzwischen sind es etliche, für die Ackermannshof zeitweises oder dauerhaftes Zuhause ist, vom Oldtimer-Restaurator über die Glasmalerin und Filmemacherin bis zum Journalisten oder Gartengestalter.