Es ist die Zeit des Wirtschaftswunders im Westdeutschland der fünfziger und frühen sechziger Jahre. Die Brillen der Frauen haben Schmetterlingsform, die Kleider Pünktchen und schwingen wie Petticoats. Die Badeanzüge sind noch hoch geschlossen. Im Sommer geht es mit dem VW Käfer, dem meistverkauften Auto dieser Zeit, nach Italien. Auch Elfriede (Astrid Golda) und Ernst (Mathias Raupach) sowie Teenager-Tochter Cornelia (Clara Mills-Karzel) machen sich vom Wuppertal auf in den Süden. Während Elfriede den Urlaub in vollen Zügen genießt, kann sich Ernst zunächst nur schwer damit anfreunden. Zum einen verpasst er den für ihn so wichtigen Kongress der Gartenzwerg-Freunde, zum anderen bereitet ihm Gigolo Marco (Christoph Prinz) Verdruss, weil er seiner Tochter Cornelia nachstellt.
Die leichte Geschichte hat sich Matthias Raupach selbst ausgedacht, um die Schlager-Revue leicht bekömmlich zu verpacken. Die Lieder handeln von "Zwei kleinen Italienern", beschwören "O Sole mio " und verkünden: "Ein besonderer Duft, hängt heute in der Luft". Die Nachkriegszeit ist vorbei, die Menschen wollen vergessen und Spaß haben. Der Text von "der Zuckerpuppe aus der Bauchtanzgruppe, von der ganz Marokko spricht", einst von Bill Ramsey mit sonorem Bass gesungen soll ebenso wenig zum Nachdenken anregen wie der legendäre Kriminal-Tango von Hazy Osterwald. Dort tanzen Jacky Brown und Baby Miller in einer Taverne mit dunklen Gestalten und rotem Licht Tango. Die Song-Mischung und eine mitreißenden Show bescheren dem Publikum einen vergnüglichen Abend. Die Musik wird live von einer Band gespielt. Pianist Andreas Brencic ist zugleich musikalischer Leiter der Revue.
Filmregisseur Eberhard Görner kann sich nicht zurückhalten und singt die Lieder lauthals lachend hinten mit. Er ist ebenso hingerissen wie Bärbel Wichmann, Studioleiterin des RBB in Frankfurt (Oder) und Torsten Riemann, Liedermacher und Songpoet, der in Bad Freienwalde ein neues Zuhause gefunden hat. "Sehr erheiternd, sehr professionell und sehr unterhaltsam", lobt Riemann, selbst professioneller Musiker, der jedoch einen anderen Stil pflegt. "Ich finde es erstaunlich, mit wie wenig Mitteln, sie diesen Abend gestaltet haben", sagt er. "Das sind alles ausgebildete Leute - große Welt in Bad Freienwalde."
"Das Stück hat mir sehr gut gefallen und viel Spaß gemacht", freut sich Annette Spremberg nach dem Schlussakkord. "Ich finde die Premiere gut gelungen", lobt Agoub Essekkouri, Germanistikstudent aus Marokko. Für ihn sei interessant, etwas aus den fünfziger Jahren in Deutschland zu sehen.
"Es hat alles ganz toll geklappt", freut sich Matthias Raupach nach der Galapremiere, die mit einem Sektempfang und einem von Bürgermeister Ralf Lehmann eröffneten Büfett auf dem Hof ausklingt. "Wir haben eine Liste von 110 Schlagern so lange zusammengestrichen, bis 27 übrig geblieben sind", plaudert Raupach aus Nähkästchen. Schon früh lernt er die Melodien kennen: "Meine Mutter hat mir als Kind diese Schlager zum Einschlafen vorgesungen", so Raupach, der in Wriezen geboren ist und in Wien lebt. Zudem sei er vor 15 Jahren noch mit Peter Alexander zusammengekommen und habe bei seiner letzten Show als Hintergrundsänger mitgewirkt.
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