Im Oderbruch gehen viele Menschen interessanten Tätigkeiten nach. Manche sind aus der Großstadt hierher gezogen, um endlich zu tun, wovon sie immer geträumt haben: Ein eigenes Atelier haben. Eine Pension führen. Landwirt sein. Andere sind hier aufgewachsen und haben Jobs gefunden, die mancher erst auf den zweiten Blick sieht: in Vereinen oder Projekten, in technischen, handwerklichen oder kreativen Berufen. Manche sind wahre Künstler darin, sich ihren Arbeitsplatz selbst zu erfinden“, sagt Anne Hartmann und setzt genau dort mit dem Bildungsprojekt Heim(at)arbeit des Oderbruch Museums Altranft an: Sie will Schüler erleben lassen, welche verschiedenen Formen des Tätigseins es im Oderbruch gibt. „Nur so kann eine Vorstellung entstehen, was man als Schulabsolvent hier anfangen kann“, erklärt sie. Deshalb unternahm das Projekt nun mit Neuntklässlern der Salvador-Allende-Oberschule Wriezen eine Exkursion in die eigene Heimat, bei der die Schüler ausschwärmten, um Oderbruchbewohner mit unterschiedlichsten Tätigkeitsfeldern zu interviewen. Dazu zählten das Theater am Rand in Zollbrücke, das Galerie Café Hafenmühle in Kienitz, der Landwirtschaftsbetrieb Karsten Kind in Groß Neuendorf, die Blumenhaus Österle in Altreetz, der Milchschafhof Pimpinelle in Quappendorf. Begleitet wurden die Gruppen von ehrenamtlichen Betreuern. Auch die Ansprechpartner, die ihre Büros, Ateliers und Geschäftsräume für die Schüler öffneten, widmeten unentgeltlich ihre Zeit. Eins der Besuchsziele war der „Co Working Oderbruch Alte Schule Letschin“, den Torsten Kohn leitet. „Ich unterstütze die Exkursion, weil ich jungen Leuten Wege zeigen will, hier zu bleiben“, sagt er. „Die Idee des Coworking könnte dazu beitragen. Denn wer gemeinsam mit anderen Zugriff auf Infrastruktur wie schnelles Internet hat, kann für weit entfernte Firmen arbeiten und derweilen an der Oder leben.“
Ihre Eindrücke aus den Gesprächen verarbeiteten die Schüler anschließend in den Werkstatträumen des Oderbruch Museums in Altranft zu Radio-Podcasts, die sie selbst konzipierten, einsprachen und aufnahmen. Die Podcasts werden zum Auftakt der nächsten Museumssaison hier zu hören sein, so Anne Hartmann. Sie brachte das Projekt Heim(at)arbeit or fünf Jahren ins Rollen. Bis sie und ihre Mitstreiter dort waren, wo sie heute sind, war es ein weiter Weg. Schritt für Schritt bauten sie ein Netzwerk von Partnerschulen und Unterstützern auf, das Heim(at)arbeit erst möglich und vielfältig macht. Es umfasst mittlerweile mehr als 90 Personen. Zu ihm zählen immer neue „Wirtschaftspartner“, die die Schüler hinter die Kulissen schauen lassen. Aber auch die Betreuer, sind wesentliche Stützen des Projekts. Eine von ihnen ist Christina Grimminger, die schon seit mehreren Jahren ehrenamtlich die Schüler begleitet. „Ich lebe seit über 40 Jahren in Bad Freienwalde und finde toll, dass sich auf diesem Weg die Generationen begegnen“, sagt sie.(nv)
Sie wollen Heim(at)arbeit unterstützen: Telefon 03344.1553904 oder per Mail an a.hartmann@museum-altranft.de