"Starke Kommunen auch in Zukunft" war die Diskussionsveranstaltung überschrieben, zu der die SPD-Landtagsabgeordnete Jutta Lieske eingeladen und als kompetente Gesprächspartnerin Klara Geywitz mitgebracht hatte. Die Potsdamerin ist finanzpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion und Generalsekretärin der brandenburgischen Sozialdemokraten. Ziel der SPD sei es, Kommunen mit einer leistungsfähigen Selbstverwaltung zu schaffen. "Wir wollen eine Verwaltungsstrukturreform, aber keine neue Gemeindegebietsreform", sagte Klara Geywitz. Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) habe erklärt, er habe kein Problem mit der Größe der Kommunen, vielmehr benötigten sie eine effektive Verwaltung. Mecklenburg-Vorpommern habe mit der Großkreisbildung keine guten Erfahrungen gemacht, sagte Klara Geywitz. Der Landesverfassungsgericht habe gerade gemahnt, dass die kommunale Selbstverwaltung nicht mehr gegeben sei.
Wie es wirklich in den Kommunen aussieht, darüber konnte Horst Wilke, Bürgermeister von Neulewin, ein Lied singen. "Wir haben fast alles verkauft, einen bisschen Straßenbau getätigt, aber der Bedarf ist riesig", erklärte er. Es habe auch nicht geholfen, den ehemaligen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck über das Rüttelpflaster von Neulietzegöricke fahren zu lassen. Obwohl die Gemeinden des Amtes Barnim-Oderbuch nicht in Saus und Braus leben, bleibe finanziell kein Spielraum mehr. "Unsere freiwilligen Aufgaben liegen bei ein bis zwei Prozent des Haushaltes", sagte Wilke. Hinzu kommen Amts- und Kreisumlage, die den Gemeinden einiges abverlangen. "Uns im ländlichen Raum geht es nicht gut", erklärte Wilke. Neulewin Bürgermeister ärgert sich zudem darüber, dass sich die Dörfer die Kreisumlage am Munde absparen müssen, der Landkreis aber über zehn Millionen Euro Rücklage verfügt.
Um dem Investitionsstau im Straßenbau entgegenzuwirken, habe es wenig Sinn, einen Ministerpräsidenten über das schlechte Pflaster fahren zu lassen, erklärte Klara Geywitz. Denn im ganzen Land sei wenig passiert. Es werde überlegt, Landesstraßen zu sanieren, danach herabzustufen und an die Landkreise abzugeben. "Wir wollen einen gesonderten Topf für Landesstraßen auflegen", erklärte Klara Geywitz.
Diskutiert wurde auch über die Situation des Wasser- und Bodenverbandes Stöbber-Erpe. Joachim Schleinitz, Ortsvorsteher von Wölsickendorf-Wollenberg, forderte, der Landtag solle sich mit der Frage beschäftigen, warum die Gemeinden von den Land- und Waldeigentümern die Gebühren kassieren und an den Verband weiterleiten. "Wer Gebühren erhebt, soll sie direkt einfordern", so Schleinitz.
"Unser Ziel ist es, die Wasser- und Bodenverbände auf eine rechtliche Grundlage zu stellen", erklärte Jutta Lieske. In Bezug auf die Rücklage des Landkreises sei sich auch die SPD-Fraktion im Kreistag nicht einig. Das Geld werde möglicherweise für die Liquidierung der Kultur GmbH gebraucht, die ihr im Hinblick auf die Zukunft von Schloss Freienwalde, besonders aber des Freilichtmuseums Altranft Bauchschmerzen bereite.