Die neue Laufbahn und die neue Sprunganlage aus Polytan kommen in leuchtendem Rot daher. Sie bilden einen Kontrast zum frischen Grün des Rasens. Die Sportstätte hat sich herausgeputzt. Doch die Sanierung des Jahn-Stadions in Bad Freienwalde hat ihren Preis. „Es sind Mehrkosten in Höhe von 243.454,95 Euro entstanden“, sagte Uwe Göcke, Vorsitzender des 1. SV Jahn Bad Freienwalde, in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses in Bad Freienwalde. „Aufgrund der bewilligten Fördermittelbescheide sind wir an die im Jahr 2014 kalkulierten Baukosten gebunden“, begründete er die exorbitante Steigerung, die jedoch den aktuellen Preisen entspreche. Wegen der großen Zeitspanne zwischen dem Antrag auf Fördermittel und den Ausschreibungen sei es nicht mehr möglich Leistungspositionen zu ergänzen, zu ändern, zu präzisieren oder umzuschreiben, beschreibt Uwe Göcke das Dilemma, in dem Bad Freienwaldes größter Sportverein steckt..
Die Mehrkosten seien zudem wegen der Teilung der Arbeiten in zwei Bauabschnitte entstanden, heißt es in der Stellungnahme des Vereins zur Stadtverordnetenversammlung heute Abend. Der erste Bauabschnitt betrifft die 400-Meter-Bahn und die Sprunganlage, der jetzt weitgehend abgeschlossen ist, der zweite Bauabschnitt Tribüne und Außenanlagen.
Da bei der Ausschreibung für den zweiten Bauabschnitt eine andere Firma den Auftrag erhalten habe, müsse der Verein die Baustelleneinrichtung, die für zwei Bauabschnitte kalkuliert war, doppelt bezahlen. Das gleiche gilt für die Aushub und Entwässerungsmaßnahmen. Zudem mussten im ersten Bauabschnitt Leistungen umgesetzt werden, die eigentlich erst im zweiten Bauabschnitt wirksam werden, wie Elektroleitungen, Flutlichtmasten, Drainagen und Bewässerungsanlagen des Platzes. Sie können später nicht vorgenommen werden, weil sonst die Polytan-Oberfläche wieder aufgebrochen werden müsste.
Diese Arbeiten erhöhten die Kosten für den ersten Bauabschnitt. Wegen der schlechten Bodenbeschaffenheit, habe zudem mehr Erde ausgehoben und auf größerer Fläche ein tragfähiger Untergrund geschaffen werden müssen. Mit der Erhöhung der Baukosten stiegen auch die Kosten für den Planer, dessen Honrar sich an den Netto-Baukosten bemisst. Die Gesamtkosten für den 400 Meter Laufbahn und Sprunganlage betragen mehr als 616.000 Euro.
Durch die Corona-Pandemie befinden sich die Mitarbeiter des Landesamtes für ländliche Entwicklung im Homeoffice, weshalb sich der Abruf der Fördermittel verzögert habe, führte Uwe Göcke weiter aus. Um die Baufirmen bezahlen zu können, musste eine Zwischenfinanzierung durch die Sparkasse vereinbart werden, weshalb Zinsverbindlichkeiten entstanden.
Der Verein hatte die Stadtverwaltung am 28. August schriftlich über die Mehrkosten informiert. Aufgrund deren Höhe ist ein Beschluss der Stadtverordnetenversammlung erforderlich, über den in der heutigen Sitzung entschieden werden soll. Bürgermeister Ralf Lehmann (CDU) schlägt vor, dem Verein einen zweckgebundenen Zuwendungsbescheid zu gewähren. „Die Stadt behält sich jedoch vor, diesen Zuschuss nach einer baufachlichen Prüfung entsprechend zu kürzen. Weiterhin sollen auch nach Abschlusss der Baumaßnahmen entstandene Nebenkosten wie Kreditzinsen nicht durch den Zuschuss der Stadt gedeckt werden“, heißt es in dem Beschluss. Den Stadtverordneten stehen vier mögliche Positionen im Haushalt zur Auswahl, wo noch Geld da ist, um die Mehrkosten bezahlen zu können.