Über das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, dem eine Ausstellung im Schloss Freienwalde gewidmet ist, hat Sebastian Elsbach seine Doktorarbeit geschrieben. Über die Organisation und ihre Verbindung zu Walther Rathenau sprach er am Sonnabend im Schloss.
"Die Ermordung Walther Rathenaus war die Initialzündung zur Gründung des Reichsbanners", sagte Marie-Theres Suermann, Vorsitzende des Freundeskreises Schloss Freienwalde bei der Begrüßung in der Beletage. Trotz des schönen Wetters hatten sich gut 20 Gäste eingefunden, die mit großem Interesse den Vortrag verfolgten.
Dort ist gerade die Ausstellung zu sehen, die die Stiftung Gedenkstätte Deutscher Widerstand dem Freundeskreis zur Verfügung gestellt hat. Dem Verein, der sich die Belebung des Schlosses und seiner Nebengebäude auf die Fahne geschrieben hat, ist es gelungen, das preußische Königsschloss in die Orte deutscher Demokratiegeschichte einzureihen. Grund ist Walther Rathenau, Außenminister in der Weimarer Republik, Eigentümer des Schlosses von 1909 bis zu seiner Ermordung 1922. Die einzige Gedenkstätte in Deutschland, die an Rathenau erinnert, befindet sich im Schloss.
Begleitend zur Ausstellung konnte der Freundeskreis Sebastian Elsbach gewinnen. Der 31-Jährige, der in Berlin geboren wurde, studierte in Frankfurt (Oder), Chemnitz, Jena und Polen Geschichte und Politik. Derzeit baut er in Weimar ein Museum der Demokratiegeschichte auf, wo sich auch Schloss Freienwalde wiederfinden wird. Per Zufall gelangte er 2013 an das Reichsbanner und stellte fest, dass es darüber nur wenig Literatur gab. Daher wählte er dieses Thema für seine Doktorarbeit. "Die letzte Veröffentlichung ist aus dem Jahr 1966", sagt er nicht ohne Stolz.
Bei seinem ohne Manuskript lebendig gestalteten Vortrag berichtete Elsbach über die Entstehung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold, das bewusst diese Farben gewählt hatte, die erstmals 1832 beim Hambacher Fest aufkamen und 1919 in der Verfassung der Weimarer Republik als Reichsfarben festgelegt wurden. Die Republikgegner wählten Schwarz-Weiß-Rot. Nach zahlreichen Ermordungen – Rathenau war nur der Anfang ­– sowie links- und rechtsextremistischer Putschversuche gründeten die Demokraten, die die Republik erhalten wollten, das Reichsbanner als Wehrbund.
Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold wurde am 22. Februar 1924 in Magdeburg als überparteiliches Bündnis von der SPD, der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP) und der katholischen Zentrumspartei gegründet. Vor allem von Weltkriegsteilnehmern sei die Initiative ausgegangen, berichtete Elsbach. Schnell habe sich das Reichsbanner zu einer Massenorganisation mit mehr als drei Millionen Mitgliedern entwickelt.
Die Farben Schwarz-Rot-Gold wurden sich zum Markenzeichen der Mitglieder. "Sie beflaggten ihre Strandkörbe an der Ostsee", berichtete Elsbach. Viele Alltagsgegenstände wie Zigarettenschachteln trugen diese Farbe. Lutz Scholz, einer der gut 20 Gäste, erinnerte an die Fußball-WM, als viele Autos mit Schwarz-Rot-Goldenen Aufklebern und Flaggen versehen waren. In der Weimarer Republik sei es um die Gesinnung gegangen, in der Gegenwart um das Bekenntnis zu einer Nation, so der Referent..
Elsbach berichtete von Straßenkämpfen, die sich Reichsbanner-Mitglieder mit rechtsgerichteten, paramilitärischen Organisationen wie der SA und dem Stahlhelm lieferten. Auch in der Region um Bad Freienwalde gab es solche Umtriebe. Der Historiker hat den Beleg für einen Straßenkampf von SA und Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold in Oderberg.
Nach der Machtergreifung der Nazis wurde das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold verboten. Die Mitglieder wurden vefolgt und mussten ins Exil. Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, 1953 wiedergegründet, gibt es heute noch als Verein des Bundes aktiver Demokraten. 2014 feierte er in Hamburg 90-jähriges Bestehen.