Enrico Merten ist empört darüber, dass einzelne Vereine erneut in der Kurstadthalle Silvester feiern dürfen, obwohl in der Sporthalle Partys eigentlich gar nicht erlaubt sind. Bürgermeister Ralf Lehmann (parteilos) hatte im Februar darüber die Stadtverordneten informiert, worauf sich jetzt der Wirt beruft.
"Ich habe danach entschieden, eine größere Silvesterveranstaltung zu organisieren", sagt Enrico Merten. Er habe sich eine bessere und damit auch teurere Tanz- und Partyband in Berlin organisiert, die fast die ganze Nacht durchspielt. Er habe auch schon Kartenreservierungen, es könnten aber noch mehr sein, damit der Abend für ihn ohne Verlust über die Bühne geht.
"Ich habe mit allen Fraktionsvorsitzenden gesprochen, keiner weiß von der Silvesterfeier in der Kurstadthalle", ärgert sich Enrico Merten über die Geheimniskrämerei. Hätte er im Vorfeld gewusst, dass in der Kurstadthalle wieder alternativ gefeiert werde, hätte er sein Angebot reduziert, schimpft der Wirt des Kurtheaters.
Vom Bürgermeister fordert er, mit offenen Karten zu spielen, endlich eine städtische Event GmbH zu gründen und die Kurstadthalle als Mehrzweckhalle zu nutzen. "Dann merkt er vielleicht endlich, wie schwierig es ist, solch ein Unternehmen zu führen", sagt Merten, der betont, inzwischen schuldenfrei zu sein. Er habe nichts gegen Konkurrenz, er habe lediglich etwas dagegen, dass die Stadt in der Kurstadthalle "schwarz" feiert, ohne Umsatzsteuer bezahlen zu müssen und ohne vorher darüber zu kommunizieren. Dies sei Wettbewerbsverzerrung.
Der Kurtheater-Inhaber erklärt sich gerne bereit, bestimmte Veranstaltungen an die städtische Event GmbH abzugeben, um deren Überleben zu sichern. Er habe einst das Kurtheater erworben und sich auf das Geschäftsrisiko eingelassen, weil die Stadt und auch der Bürgermeister ihm Unterstützung zugesagt hätten. Um der Stadt entgegen zu kommen, lasse er auch für ihn eigentlich unrentable Veranstaltungen zu. Diese stille Vereinbarung werde vom Stadtoberhaupt torpediert.
Bürgermeister Lehmann sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Es sei richtig, dass die Stadt die Kurstadthalle in eine Mehrzweckhalle umwandeln wollte. Die Bauaufsicht des Landkreis hatte abgelehnt, die Stadt widersprach, zur Klage kam es nicht.
Die Stadt dürfe in Eigenregie bis zu zehn Kulturveranstaltungen in der Zweifelderhalle organisieren, sagt Bürgermeister. Dazu zähle die Silvesterfeier der Vereine, der Abschlussball des Gymnasiums und andere Veranstaltungen. Es dürften sich dann aber nicht mehr als 199 Personen dort aufhalten. Wäre die Kurstadthalle eine Mehrzweckhalle dürften bis 500 Personen dort feiern. Dem steht nach Auffassung der Bauaufsicht jedoch entgegen, dass sich die Halle in einem Wohngebiet befindet und solche Feiern eine erhebliche Lärmbelästigung bedeuten würden.
Lehmann sieht den Ärger des Wirts gelassen. Ähnliche Vorwürfe aus der Gastronomie habe es gegenüber dem Restaurant des Berufsbildungsvereins, den Dorfgemeinschaftshäusern und der Stephanus-Stiftung gegeben, die die Köhlerei-Gaststätte und einen Saal in der Beethovenstraße betreibt. "Man muss einen Interessensausgleich finden", sagt Ralf Lehmann. Die Stadt richte daher drei Veranstaltungen pro Jahr im Kurtheater aus. Der Bürgermeister betont, er sei sich sicher, dass diejenigen, die in der Kurstadthalle Silvester feiern, ohnehin nicht ins Kurtheater wechseln, unter anderem weil sie ihre Kinder mitnehmen wollen.