Teile der Kleist-Familien studierten hier, der ungarische Hochadel schickte seine Sprösslinge, das märkische Adelsgeschlecht von Treskow: Möglin war weltweit dafür bekannt, dass hier Landwirtschafts-Geschichte geschrieben wurde. Immerhin: Kein geringerer als Albrecht Daniel Thaer forschte in dem heute kleinen verschlafenen Dorf und bewirtschaftete Flächen, der Begründer der Agrarwissenschaft.
776 Studenten sind bekannt, die einst in Möglin die Thaer-Theorien lernten. Wenigstens 155 davon kamen aus dem Ausland. Den weitesten Weg legte ein Student aus Brasilien zurück. Heike Gräfe kann ohne Unterlass über die Namen und Geschichten der Studenten erzählen. Das verwundert nicht. Seit zweieinhalb Jahren beschäftigt sich die Ausstellungsleiterin mit Thaers Schülern. An einem Wintertag googelte sie aus Neugier den Namen eines Studenten, den sie zufällig auf einer Schülerliste entdeckt hatte. "Ich war überrascht", sagt sie, "wie viel man über ihn erfahren konnte auf diesem kurzen Weg."
Damit war der Grundstein gelegt für ein Sonderband der Schriftenreihe "THAER HEUTE". Dieses Jahr soll das Heft erscheinen. Der Anlass: Das 210. Gründungsjahr der "Königlich Preußischen Akademie des Landbaus", die erst 1818 das Recht erhielt, sich so zu nennen. Von den 21 angemeldeten Studenten reisten am 1. November 1806 jedoch nur drei an. Der Grund: die napolionischen Kriege, die ihren Anfang nahmen. Ein Jahr später sind bereits 20 Teilnehmer am Mögliner Lehrinstitut gemeldet. Insgesamt hörten mehr als 750 Männer Thaers Vorlesungen.
Der Sonderband beschäftigt sich nun ausführlicher mit ihnen. Darin sind nicht nur die Namen der Studenten aufgelistet mit ihren Geburts- und Sterbedaten, sondern auch der Zeitraum der Semester, welche berufliche Laufbahn sie nahmen, welche Güter sie verwalteten oder welches Schicksal sie ereilte. "Sofern wir das recherchieren konnten", stellt Heike Gräfe klar. 85 Prozent der Namen hat sie zurückverfolgt. Geholfen haben ihr Martin Frielinghaus und Hubertus von Lucke und Kursko.
So stieß das kleine Team unter anderem im Geheimen Staatsarchiv Berlin auf ein Originalzeugnis des Schülers Moritz Itzig, das Thaer ihm vermutlich persönlich überreichte. Eine Kopie hängt heute in der Mögliner Ausstellung. Auf Grund der Recherche sind jetzt auch seine zwei weiteren Vornamen bekannt: Jonathan Moses. Über einen anderen Studenten weiß man inzwischen, dass er 1813 "an seinen Wunden zu Felde geblieben" ist. Er war ein Bekannter Hardenbergs. Theodor Schnell war der erste Student, der sich in Möglin einschrieb. Damals bei der "Akademie des Landbaus zu Möglin".
Heike Gräfe hat Kontakt zu zahllosen Familien aufgenommen. Viele hätten reagiert, sagt sie, und Auskünfte erteilt. Stammbücher haben weiter geholfen, wie das von Johann Anton Leisewitz, ein Freund Thaers. Oder Matrikellisten der Humboldt Universität zu Berlin. Lettland, Litauen, Russland: überall in Europa und darüber hinaus ließen sich Spuren zurückverfolgen. "Das war schon sehr spannend", versichert Heike Gräfe, "wenn und woher Antworten kamen." Eine Familie, die die Geschichte des Vorfahrens bis dahin nicht kannte, sei mittlerweile vier Mal in Möglin gewesen, erzählt Heike Gräfe.
Im November soll der Sonderband der Schriftenreihe nun erscheinen. Einen anderen Höhepunkt 2016 feiert die Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer bereits im Juni: ihr 25-jähriges Bestehen. Am 22. Juni soll die Veranstaltung - vermutlich in Möglin - stattfinden. 220 Mitglieder gehören heute zu Thaers Förderern. Allein 40 davon sind Nachfahren.
Über 400 Schriften hat der Begründer der Agrarwissenschaft allein in Möglin veröffentlicht. Viele der "Analen des Ackerbaus" - gewissermaßen dem Vorgänger der Bauernzeitung, wie Heike Gräfe sagt - die Thaer seit 1811 schrieb und die über seinen Tod hinaus nach 1828 weiter geführt worden sind, bewahrt die Fördergesellschaft im Original auf. Insgesamt stehen in Möglin etwa 1600 Schriften zur Verfügung - die heute wieder von Studenten eingesehen werden können.
Öffnungszeiten "Thaer in Möglin": ab 1. April Donnerstag bis Sonntag sowie an Feiertagen 11-17 Uhr; Ostersonnabend bis Ostermontag ist bereits geöffnet, ebenfalls zwischen 11-17 Uhr