Zehn Studenten der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde haben sich in der Sommerschule eine Woche lang mit der Frage beschäftigt, was Kirchen im Oderbruch über die Landschaft erzählen. Am Freitag präsentierten sie ihre Ergebnisse im Schloss Altranft.
Der mit „Schaukasten Oderbruch“ bezeichnete Raum im Schloss war gerammelt voll, als die Studenten die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Pfarrern, Gemeindekirchenräten, Dekmalpflegern, Handwerkern, Ortschronisten und Mitgliedern von Fördervereinen vorstellten.
Ihre Aufgabe war es, heraus zu fínden, was Kirchen im Oderbruch über die Landschaft zu erzählen vermögen, formulierte Lars Fischer vom Programmbüro des Oderbruch-Museums. Dafür besuchten sie fünf in ihrer Bauweise verschiedene Kirchen in historisch verschiedenen Orten und versuchten in Gesprächen „die Bedeutung dieser Bauten als landschaftliches Gedächtnis und gegenwärtige Herausforderung zu ergründen und als eine Kulturerbestätte zu beschreiben“. Fischer wählte eine Großkirche, zwei Kirchen in Altdörfern und zwei in Kolonistendörfern. So nahmen die Studenten die Marienkirche in Wriezen, sowie die Dorfkirchen in Neutornow, Altwustrow, Sietzing und Altwriezen unter die Lupe. Letztere gibt es nicht mehr. Ein Förderverein beginnt jedoch mit dem Wiederaufbau.
Ziel war es, für jede Kirche eine individuell gestaltete Präsentationsform in Form eines „Wandschränkchens“ zu erarbeiten, erläuterte Fischer. Sie sollen Teil der Ausstellung Schaukasten Oderbruch werden. Dort werden besondere Orte vorgestellt und die Museumsbesucher dazu eingeladen, das Oderbruch zu bereisen, es besser kennenzulernen und zu verstehen. Der Schaukasten Oderbruch ist Teil der Initiative für die Bewerbung des Oderbruchs um das Europäische Kulturerbe-Siegel. Über die Beziehung zur Landschaft haben die Studenten jedoch wenig erfahren. Eher darüber, dass die Kirche Treffpunkt der Menschen ist, sie sich stark mit ihr identifizieren und dass es immer weniger Kirchgänger gibt.
Für die Kirche in Wriezen sprachen Marlies Laser, Christian Liesendal und Rick Satorius unter anderem mit dem Ehepaar Müller, das zu den Unermüdlichen gehört, die Spenden für den Wiederaufbau sammeln, und dem Bürgermeister. Diese Kirche bündele drei Geschichten unter einem Dach, resümierte Marlies Laser. Die Kirche sei im 13. Jahrhundert gegründet, Ende des Zweiten Weltkrieges völlig zerstört worden und werde nun allmählich wieder aufgebaut. Bis 2022 solle das Gebäude mit  Hilfe von Stadt, Kirche und Johanniter-Gymnasium als Multifunktionsgebäude auferstehen.
In ihren Schaukasten malten die Studenten ein Dach mit Kohle und stapelten darunter zwei Ziegelsteine, die die an die Zerstörung erinnern. Ohnehin konnten sie in den Schaukästen Ihrer Phantasie freien Lauf lassen. Drei Studenten, die sich mit der Kirche Altwriezen beschäftigten, hängten drei Glöckchen in ihren Schaukasten und fügten die ins nichts führende Treppe dazu. Dies sind die einzigen Überreste des Kirchenbaus.
„Wir waren beeindruckt, wie viel Zeit sich die Gesprächspartner genommen haben“, sagte Marlies Laser. Sie und die meisten ihrer Kommilitonen studieren im fünften Semester Landschaftsnutzung und Naturschutz und werden von Professor Uta Steinhardt betreut, die seit zehn Jahren mit dem Büro für Landschaftskommunikation Sommerschulen anbietet.