Einmal in der Woche schlüpfen Mary, Doris, Manu und Judy in orientalisch-luftige Kleidung und frönen ihrem Hobby: dem Bauchtanz. Sie kreisen ihre Hände, drehen sich gekonnt im Kreis und - jawohl - schwingen hemmungslos die Hüften. Sie machen das so gut, dass die Ansteckungsgefahr mit längerem Zugucken wächst. Hier in einem Kursraum des Fitnessstudios "Body Enjoy" sind sie unter sich. Niemand stört.
Die orientalische Musik, die den Takt vorgibt, kommt vom Band. Jana Brandt bringt CDs samt Rekorder mit zum Kurs. Die zierliche Frau mit der Brille leitete die Damenrunde an. Erst lief ihr Kurs über die Volkshochschule in Bad Freienwalde. Weil sich dort aber zu wenig Frauen fanden, wurde er nicht wieder angeboten. "Wir wollten aber unbedingt weitermachen", sagt Doris, die sich im Berufsleben um die Frühförderung auffälliger Kinder kümmert. Weil sie sich nicht vorstellen konnte, die immergleichen Bewegungen an einem Fitnessgerät zu machen. "Bauchtanz ist nicht nur etwas für den Geist", sagt Doris. "Mir würde auch der Austausch fehlen."
Jana Brandt kam 1996 zum ersten Mal mit orientalischem Tanz in Berührung. In Berlin war das, wo sie ursprünglich herkommt. Dort lernte sie das Tanzen von einer Türkin. Jana Brandt blieb dabei, gab fünf Jahre später die ersten eigenen Kurse. Türkischer und vor allem ägyptischer Tanz gefallen ihr. Sie hat Workshops besucht und Tänzerinnen in ihren Heimatländern gesehen. Tanzen ist für sie viel mehr als Bewegung. "Es ist entspannend, lässt Sorgen vergessen und Bauchtanz steigert auch das Selbstbewusstsein", ist die 52-Jährige überzeugt.
Mary, Doris, Manu und Judy erwärmen unterdessen ihre Muskeln. Bauchmuskeltraining gehört dazu, Dehnübungen, einzelne Figuren. Entspannt sieht das aus. Manche Übung hat es dennoch in sich. "Ich wusste vorher gar nicht", bekennt Mary und lacht, "wo man überall Muskeln hat." Die Frauen kreisen erst ihre Hände unisono, dann den Oberkörper, die Hüften. "Am Ende fügen wir die einzelnen Bewegungen zum Tanz zusammen", erklärt Jana Brandt. Ihre neue Gruppe in Wriezen startet gerade mit unterschiedlichen Levels. Vorkenntnisse bräuchte allerdings niemand, der bei ihrem Bauchtanzkurs mitmachen möchte, sagt Leiterin Jana. "Man braucht auch keinen Bauch." Viele würden denken, dass ein üppiger Bauch Voraussetzung für orientalische Tänze sei. "Stimmt aber nicht", versichert Jana. "Man darf sich nur nicht entmutigen lassen, wenn die Bewegung nicht auf Anhieb klappt."
Noushafarin, das ist der Künstlername, den sich die Strausbergerin gab, die im eigentlichen Leben als Bankangestellte arbeitet. Das sei persisch, erklärt sie, und bedeute "Die Freudespenderin". Ihre erste Gruppe nannte sich "Khandan", das Gegenstück zu ihrem Namen. Er bedeutet "Das Lächeln". Mit der ersten Berliner Gruppe, die sie unterrichtete, ist Jana Brandt öffentlich aufgetreten. Auf der Basarbühne der Fachmesse für Orientalischen Tanz, zu Livemusik, beim Orient-Festival des Landes Brandenburg, bei Studiofesten, Hochzeiten, Gartenfesten oder zu Geburtstagen.
Häufig gehören auch Utensilien zum orientalischen Tanz wie kleine Kerzenhalter, Zimbeln, das sind runde Metallplättchen, die man mit Daumen und Finger zum Rhythmus der Musik aneinanderschlägt, Stöcke oder Schleier. Dafür, dass der Kurs in Wriezen gerade erst gestartet ist, machen die Frauen schon eine tolle Figur. Weitere Mittänzerinnen sind herzlichst eingeladen. Männer übrigens auch.
Bauchtanzkurs, dienstags ab 19 Uhr im "Body Enjoy" am Hafen 2; kostenlose Schnupperstunde und Anmeldung möglich unter Telefon 0174 9425615