Egal ob Napoleon oder Goethe: Heike Gräfe findet bei fast jedem Stichwort einen Faden zu Albrecht Daniel Thaer. Kein Wunder. Seit fünf Jahren beschäftigt sie sich so gut wie jeden Tag mit dem größten Pionier der Landwirtschaft. So lange betreut sie die Ausstellung in Möglin, dem einstigen Gut des Mediziners und Agrarreformers und dem Geburtsort der landwirtschaftlichen Lehre, die bis heute gilt.
An Thaer wird überall gedacht. In Celle, wo er 1752 geboren wurde, der Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät der Humboldt-Universität in Berlin, Leipzig, Halle. In Möglin, wo er begraben liegt. Eine Ausstellung über ihn gibt es bereits seit 1992 in dem kleinen Dorf, damals noch im ehemaligen Verwaltergebäude des Gutshofes. 2008 zog die Ausstellung um, in einen neugebauten Pavillon am Gemeindehaus. Im März 2009 eröffnete die Schau. Heike Gräfe führt dort heute Gäste durch, Schulklassen, Wissenschaftler. Zwischen 500 und 600 Besucher hat das Haus jedes Jahr. Dieses Jahr, sagt sie, seien es sogar mehr gewesen. "Ein gutes Jahr. Weil häufiger Reisegruppen zu uns kamen", sagt sie. Darunter der Heimatverein Celle. Er besuchte zum ersten Mal Möglin.
Neu in der Ausstellung ist ein mannshohes Ölgemälde, eine Dauerleihgabe des Landeslabor Berlin-Brandenburg. Carl Philipp Sprengler (1787-1859) ist darauf abgebildet. Thaers erster Schüler zu einer Zeit, als der Agrarreformer noch als Arzt in Celle lebte, sich aber schon mit Landwirtschaft beschäftigte. Sprengler war da 15 Jahre alt. Zwei Jahre später übernahm er das Mögliner Gut. Sprengler gilt auch als Begründer der Mineralstoff-Theorie. Mehrere tausend Euro hat die Restauration des Gemäldes der Thaer-Fördergesellschaft gekostet. Ein Jahr lang arbeitete eine Restauratorin daran.
Finanziert wird das Haus, die Stelle der einzigen Mitarbeiterin sowie die Aufarbeitung oder Verlegung von Schriften inzwischen fast ausschließlich vom Verein. Im Mai 2014 seien sämtliche Förderungen von Land und Bund ausgelaufen, sagt Heike Gräfe. Deshalb und wegen des Mindestlohns sind die Eintrittspreise leicht gestiegen. 2016 werden die Beiträge der 220 Mitglieder der Fördergesellschaft erhöht. Noch in diesem Jahr wird der 10. Band der eigenen Schriftenreihe "Thaer heute" erscheinen.
Der Titel: Thaers Erben. Im nächsten Jahr erscheint eine vollständige Liste der Schüler, die einst in Möglin seine Theorien studierten. Heike Gräfe hat dann drei Jahre lang zu diesem Thema recherchiert. Damals, 1806 bis 1861, existierte eine Lehranstalt für Landwirtschaft im Ort. Mehr als 700 Studenten, sie stammten aus den höheren Gesellschaftskreisen, lernten dort. 155 davon kamen aus dem Ausland, sogar ein Brasilianer war darunter. Dem Sonderheft werden neben persönlichen Daten auch der Zeitraum der Semester zu entnehmen sein und welche berufliche Laufbahn die Studenten einschlugen. Zwei Männer tauchen zwar nicht in der Schülerliste auf. Fehlen dürfen sie aber nicht: Johann Gottlieb Koppe (1782-1863), ebenfalls ein bedeutender Agrar-Reformer und Thaer-Schüler, allerdings bildete ihn der Lehrer vermutlich persönlich aus, und Carl von Treskow: Verwalter des Gutes Friedrichsfelde, heute als Berliner Tierpark bekannt. Auch er lernte sein Handwerk bei Thaer. Sie waren gute Freunde.
Im nächsten Jahr stehen für die Fördergesellschaft zudem zwei wichtige Termine an: Zum einen das 25ste Gründungsjahr der Gesellschaft und der 210. Geburtstag der Mögliner Lehranstalt, die sich ab 1819 "Königlich Preußische Akademie des Landbaues" nennen durfte.
Kontakt und Anmeldungen für Gruppen: Tel. 033456 35164; Winteröffnungszeiten: dienstags bis freitags 10 bis 16 Uhr; Eintritt: 3 Euro, Schüler 2 Euro