Weil der Verdacht der Tierquälerei in größerem Ausmaß vorliegt, habe das Veterinäramt des Landkreises am Mittwoch seine Unterlagen der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) übergeben, sagte Thomas Berendt, Pressesprecher des Landkreises. Zehn Schafe hatten sich beim Versuch, durch Löcher im Zaun zu entweichen, selbst stranguliert. Ein weiteres totes Schaf sei auf der Anlage entdeckt worden, sagte Berendt. Das Veterinäramt hatte das Gelände mit zwei Amtstierärzten kontrolliert. Sie schalteten die Staatsanwaltschaft auch deshalb ein, weil die Halterin keine Reue gezeigt habe.
Bestialischer Gestank
"Die Schafe haben schon einige Tage hier gelegen", vermutete Dr. Wilhelm Drewes, Tierarzt aus Frankenfelde, der die Amtsärzte bei ihrer Kontrolle begleitet hatte. Bürger aus Frankenfelde hatten die Behörde auf den Plan gerufen. Denn ein bestialischer Gestank hing über einigen Abschnitten des Zauns um die Solaranlage. Einige Tiere waren bereits mumifiziert – nur noch Fell und Knochen.
Die Schafe ernähren sich von Grünpflanzen, die unter der Anlage wachsen. Es sei ein Versuch gewesen, eine große Herde von 100 Schafen unter einer Photovoltaikanlage grasen zu lassen, sagte die Halterin Tatjana Rosenthal aus Bliesdorf. Die Mitarbeiter hätten nicht täglich den ganzen Zaun kontrollieren können. "Dafür ist die Anlage mit zehn Hektar einfach zu groß", sagte die Halterin.
Immer wieder hätten die Schafe den Maschendrahtzaun durchlöchert, um in ein nahes Maisfeld zu gelangen. Diese Pflanzen schmeckten ihnen besser als die Kräuter unter der Anlage. "Aus naturschutzrechtlichen Gründen durften wir den Zaun nicht eingraben, sondern mussten ihn zehn Zentimeter über dem Boden verlaufen lassen", sagte Tatjana Rosenthal. Igel und andere kleine Tiere sollten ungehindert passieren dürfen. Die Schafe hätten den Spalt genutzt, um von unten Löcher in den Zaun zu beißen und sich durchzudrücken. Ihr Mann habe daher hinter dem Zaun einen Schafzaun gespannt, um die Löcher zu verdecken. Einige Jungtiere hätten sich wohl beim Fluchtversuch darin verheddert, gerieten in Panik, drehten sich dabei um die eigene Achse und hätten sich derart verwickelt, dass sie sich nicht mehr befreien konnten. Sie halte auch unter anderen Photovoltaikanlagen Schafe, aber in kleineren Gruppen. Die toten Tiere hat sie inzwischen entfernen lassen.
Ausgebüxt und zurückgekehrt
Bei den Schafen handele es sich um eine spezielle Rasse, die nur für landschaftspflegerische Maßnahmen eingesetzt werde. Sie hätten kaum Fleisch und seien daher nicht zum Verzehr geeignet, so die Bliesdorferin. Vorwürfe von Bürgern, die Tiere seien wegen Wassermangels geflüchtet, wies sie zurück. Sie habe ständig die Tränken füllen lassen. "Die Tiere sind abends immer wieder zurückgekehrt, weil sie den Schutz der Anlage und die Tränke suchen", versicherte Tatjana Rosenthal. Auch am Dienstag war die Herde außerhalb des Zauns. Sie einzufangen sei nicht möglich. Die Halterin hoffte, dass sie wieder zurückkehrt. Dann sollen sie in ihr Winterquartier gebracht werden.
Drewes ist über die Bliesdorferin verärgert, weil sie als Bündnisgrüne für den Landtag kandierte. Gerade die Grünen forderten ständig von den Landwirten bessere Haltungsbedingungen für ihre Nutztiere.