Ein lauer Frühlingsabend hat sich über das Areal am Wriezener Hafen gelegt. Auf dem Nachbargelände sind Rockklänge und kräftige Stimmen zu hören. Neben der Stadthalle brennen Lichter in einem Flachbau. Dumpfe Geräusche sind aus der Musikschule von Steven Kopp zu hören. Was aus dem kleinen Raum schallt, passt zu seiner Größe. Steven Kopp hat vor kurzem ein Ukulele-Orchester gegründet.
Das Saiteninstrument mit den vier Strängen vor seinem Klangkörper mutet in den Armen der Hobby-Musiker wie eine Spielzeuggitarre an. Und trotzdem: Die Klänge sind nicht minder intensiv. "Lasst uns zum reinkommen Manic Monday spielen", sagt Steven Kopp zu seinen sieben Begleitern. "One, two, three, four", zählt er ein. Die acht Hobby-Musiker richten ihren Blick auf ihre Instrumente. Der Boden ist mit Notenblättern gespickt. Füße wippen auf und ab. "Six o'clock already. I was just in the middle of a dream. I was kissin' Valentino by a crystal blue Italian stream", beginnt Sängerin Tina zu trällern. "Stop, stop", ruft Steven Kopp. Alle Köpfe im Raum gehen hoch. "Ihr müsst etwas später einsteigen", sagt er zu Hartmut Dei und Matthias Düntzsch, die mit ihren Ukulelen hinter ihm sitzen. Also nochmal von vorn.
Was hat die Ukulele, was andere Instrumente nicht haben? "Sie bringt Freude", sagt Steven Kopp. "Sie bringt schlicht und einfach Spaß." Ob zur Begleitung von Songs, zur musikalischen Bereicherung des Familienlebens, alleine oder in einer Gruppe: die Ukulele bietet viele Möglichkeiten, mit überschaubarem Übungsaufwand aktiv zu musizieren.
Vor ein paar Monaten wurde Steven Kopp von seiner Musikschülerin Berit Baars gefragt, ob er ihr nicht das Spielen auf dem kleinen Saiteninstrument beibringen könne. "Vorher hatte ich gar keine Ukulele", gesteht der Musikschullehrer. Aber er fand den Gedanken gut und griff die Idee auf. Seitdem haben sich sieben weitere Hobby-Musiker zusammen gefunden, die regelmäßig gemeinsam auf ihren Ukulelen klimpern - ein Ukulele-Orchester sozusagen. Ob die Größe einem solchen Musikensemble tatsächlich entspricht, weiß Steven Kopp nicht. Aber das sei auch nicht so wichtig. Wichtig sei das Zusammenkommen. Etwa einmal im Monat treffen sich die Hobby-Musiker in seiner Musikschule zur Probe.
Aus den Saiten der Ukulelen klingt nun "Somewhere over the rainbow". Mit der Neuauflage dieses Musikstücks aus dem "Zauberers von Oz" verhalf der verstorbene Hawaiianer Israel Kamakawiwo'ole dem kleinen Saiteninstrument vor ein paar Jahren zu großer Berühmtheit. Was wie eine Spielzeuggitarre erscheint, ist ein populäres Instrument geworden. Mittlerweile greifen zahlreiche Musiker gern zur Ukulele. Und das ist grandios, meint Steven Kopp. Der Hawaiianer Jake Shimobukuro hat etwa eine unvergleichliche Version von Queens "Bohemian Rhapsody" gespielt. Auf diese allein mit der Ukulele interpretierte Version stieß er im Internet, als er nach weiteren Ideen und Inspirationen suchte. Für sein kleines Orchester sei diese Version allerdings noch etwas zu schwer.
Seine Leidenschaft für Musik hat Steven Kopp vor vielen Jahren entdeckt. Wie viele Jugendliche, wollte er zur Schulzeit in einer Band spielen. "Das war cool", erzählt er. Danach kamen mehr Instrumente und Gruppen hinzu. Seine Musikschule in Wriezen betreibt der Autodidakt nun seit zwölf Jahren und ist gut ausgebucht.
Das mit der Ukulele ist ein neues Projekt. Vielleicht gibt es irgendwann auch einen Auftritt seines kleinen Orchesters, sagt er. Zum Abschluss der Probe steht nun aber erst einmal "Obladi, oblada" von den Beatles an.