Mörder, einsame Gestalten, die Absurditäten des Alltags - leichte Kost ist es nicht, die Monica Arno am Sonnabend im Filmtheater zum Besten gibt. Die Texte des Wiener Komponisten und Sängers Georg Kreisler sind gespickt mit schwarzem Humor, Wiener Schmäh und ein paar Ungeheuerlichkeiten, die vor langer Zeit einmal einen Aufschrei verursacht haben, der noch heute nachvollziehbar ist. Aber dieser Georg Kreisler - auch wenn seine Texte von einer Frau vorgetragen werden -, er kommt an beim Publikum im Bad Freienwalder Filmtheater. Die Lacher lassen nicht lange auf sich warten. Der Applaus steigert sich nach jedem Lied. Das ist vor allem Monica Arnos Verdienst, die mit weißem Zylinder und Frack nicht nur eine gute Figur macht, sondern den Liedtexten durch ihren besonderen Ausdruck, dem Augenzwinkern, den Bewegungen, die das Gesagte unterstreichen, einen besonderen, ja individuellen Pfiff geben.
Dabei hält der Kabarettabend nicht nur inhaltlich einiges für die Besucher bereit. Schon vorab warnt die Protagonistin auf der Bühne, begleitet von Robert Lillinger am Klavier, dass es ein langer Abend werden würde. Vier Stunden prophezeit sie - und diese Zeit hätten sich die Besucher wohl auch gern genommen. Allerdings ist an diesem Abend nicht nur das Sitzfleisch gefragt. Schnelles Denkvermögen und eine hohe Auffassungsgabe braucht das Publikum im ausverkauften Filmtheater, um dem Wiener Dialekt - manchmal mit einer Schnelligkeit vorgetragen, dass es den Zuhörern den Atem stocken lässt - zu folgen. Obwohl sich der Bühnenstar sehr viel Mühe macht mit einer exakten Artikulation. Zum Luftholen sind die Anekdoten gedacht, die Monica Arno zwischen den Musikstücken einfügt. Darin bringt sie den Zuschauern Georg Kreisler näher, der auf einem großen Bild über der Bühne abgebildet ist. Er sei einer gewesen, der in seiner Arbeit mit dem Entsetzen einen Scherz macht, und das Tragisch-Groteske mit einer lockeren Vortragsweise verband, beschreibt sie den 2011 verstorbenen Großmeister. Und das trotz wechselvoller Biographie, die den in Wien geborenen Juden 1938 in die USA emigrieren und später nach Europa zurückkommen lässt. 2011 starb Kreisler im Alter von 89 Jahren in Salzburg.
Georg Kreisler ist für viele Besucher nicht der eigentliche Grund, die einzige Vorstellung des Revuestars Monica Arno in Bad Freienwalde zu besuchen. Die Wienerin selbst hat sich in der Kurstadt einen Namen gemacht, als sie vor zwei Jahren in der Sommerkomödie mitwirkte. Schon damals habe sie in den Pausen das Publikum mit Georg Kreisler unterhalten, erzählt Matthias Raupach. "Da wusste ich, dass das etwas ist für Freienwalde. Natürlich ist der Dialekt gewöhnungsbedürftig, aber es gibt hier ein gutes Konzertpublikum", sagt der Veranstalter. Und die Besucher sind voll des Lobes über das dicht gefüllte zweistündige Programm. "Die Präsentation ist einfach großartig und der Wiener Schmäh ganz klasse. Ein rundherum schönes Erlebnis, schließlich muss man es ausnutzen, wenn einem Kultur geboten wird", befindet Konzertgast Manuela Horstmann. Ganz ähnlich sieht es auch das Ehepaar Brosig aus Bad Freienwalde. "Wir nutzen jede Gelegenheit, etwas Kulturelles zu erleben. Wir haben sie schon einmal gesehen, und sind ganz begeistert von dem, was uns heute geboten wurde", sagt Manfred Brosig.
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Alles andere als zum Fürchten: Monica Arno mit dem Akkordeon in der einzigen Vorstellung des Georg-Kreisler-Abends im Bad Freienwalder FilmtheaterFoto: Sören Tetzlaff
Revuestar Monica Arno im Filmtheater
Programm fordert Auffassungsgabe und Denkvermögen des Publikums heraus