So viele Besucher hat die noch immer ihrer Sanierung harrende, vor Jahren durch den Verein aber immerhin notgesicherte und damit für Gottesdienste wie Konzerte und mehr überhaupt erst wieder nutzbar gemachte Dorfkirche in jüngerer Vergangenheit wohl noch nicht gesehen. Schätzungsweise 130 bis 140 waren es, die der Kälte trotzten, notfalls auch Kaffee und Glühwein aus dem draußen aufgebauten Versorgungszelt mitnahmen. Und irgendwie wärmte auch der Gesang aus den fünf Männerkehlen zusätzlich das Herz. Ein Live-Ohrenschmaus, von Leiter Alexander Petrow und seinen Kollegen nicht nur meisterhaft dargeboten, sondern auch mit einer großen Prise Charme und teilweise einen Augenzwinkern serviert.
Wer die Wolga Kosaken kennt, die schon in großer Besetzung auf vielen namhaften Bühnen aufgetreten, in ganz Europa und darüber und darüber hinaus berühmt sind, der weiß: Bei ihnen mischt sich Chorgesang auf höchstem Niveau mit eindrucksvollen Solostimmen, stehen Titel aus den geistlichen Liedgut.-Traditionen der russisch-orthodoxen Kirche gleichberechtigt neben allerlei Volksliedern, wechseln sich Chorstücke a cappella oder mit Begleitung mit nicht minder herrlichen Instrumentaltiteln ab. Ein zweistündiges Gesamterlebnis auch in Harnekop, das von eben dieser Vielseitigkeit geprägt war, in allen Anwesenden noch lange nachklingen wird.
Geradezu gebannt und andächtig saß das Publikum, als Tenor Maxim Kurtsberg an einer Stelle im Programm seine Version von „Eintönig hell kling das Glöckchen“ darbot, gleich danach war dann das nicht minder bekannte „Ich bete an die Macht der Liebe“ an der Reihe, das einen deutschen Texter und einen russischen Komponisten hat, zudem gern beim Zapfenstreich beispielsweise zur Verabschiedung hoher Offiziere gespielt werde. Solche Hintergrundinformationen zu einzelnen Titeln streute Petrow fast beiläufig ein, runde somit auch noch bildend das Gesamterlebnis ab. Er selbst stellte sein Können als Solist dann kurz vor Schluss bei der „Legende von den zwölf Räubern“ unter Beweis. Und sogar etwas Latein hätten er und seine Mitstreiter extra gelernt, merkte er bei der Ankündigung des weihnachtlichen Liedes „Adeste fidelis“ an. Ein paar solcher Lieder speziell zur Adventszeit durften nicht fehlen, doch natürlich wurden auch die Erwartungen all jener erfüllt, die auf „Schwarze Augen“, „Moskauer Nächte“, „Kalinka“ oder „Abendglocken“ schon sehnsüchtig gewartet haben mochten.
Besonders starken Szenenapplaus gab es kurz vor der Pause für Andrey Golski. Der ist nicht nur Sänger, sondern auch ein Virtuose auf dem Bajan, der russischen Variante des Knopfakkordeons. Das, wie er verriet, neben 15 normalen Registern an der Seite außerdem über acht Kinnregister oben verfügt. Ein Instrument, mit dessen variablen Klängen er seine begeisterten Zuhörer mitnahmen auf eine längere Reise. Einmal fast quer durch Russland, von Wladiwostok nach Rostow am Don, und zwar mit der Transsibischen Eisenbahn, deren mal schwerfälliges Schnaufen beim Erklimmen einer Anhöhe, munteres Rattern beim Spurt durch eine Ebene oder auch Anhalten und Anfahren an einem Bahnhof klangvoll unheimlich realistisch in Szene gesetzt wurde. Unglaublich, was der Meister da an Tönen aus seinem Bajan holte.
Gleich eingangs hatte Vereinschefin Anette Hirseland allen Mitstreitern gedankt, die dieses besondere Adventskonzert auch mit Kuchenbacken und weiteren Beiträgen bereichert hatten. Zugleich äußerte sie die Hoffnung, dass die Wolga-Kosaken irgendwann wiederkommen. Vielleicht dann in einer Kirche, an der die Sanierung erfolgt ist.