Mit Fingerspitzengefühl dirigierte Ulrike Wolff am Freitagmorgen per Joystick vom Boden aus den riesigen Kran auf dem Gelände der Oderberger Stahlbau GmbH. Am Haken hing die 1,65 Tonnen schwere Viadrus-Skulptur aus Stahl. Sie wurde auf den Tieflader eines Neulewiner Unternehmens gehievt, der sie nach Güstebieser Loose transportierte. Am Mittag war es geschafft. Der "Viadrus" aus Stahl hatte seinen endgültigen Standort am Fähranleger in Güstebieser Loose erreicht.
"Es war ein langer Weg bis dahin", sagte Ernst-Otto Denk. "Ich hätte mich riesig gefreut, wenn der Künstler dabei gewesen wäre", so der Initiator. Doch Horst Engelhardt ist schwer erkrankt, so dass er sich durch seien Sohn Jörg vertreten lassen musste. Die ersten Ideen, die Wiedergeburt des Flussgottes als Skulptur zu feiern, seien ihm kurz nach der Wende gekommen, so Ernst-Otto Denk. Zusammen mit dem Bildhauer aus Eichwerder sei aus dem Traum Wirklichkeit geworden. Die Mühlen der Bürokratie bereiteten dem Viadrus-Initiator viel Kopfzerbrechen. Antrag folgte auf Antrag. Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Eberswalde, das Landesumweltamt, die Denkmalschutzbehörde und der Munitionsbergungsdienst mussten ihren Segen geben. "Es war ein langer Kampf, bis wir die Genehmigungen hatten", so Ernst-Otto Denk. So habe er den Nachweis erbringen müssen, dass die Skulptur fest verankert und trotzdem der Oderdeich nicht beschädigt werde. Im Falle eines Hochwassers darf die Skulptur nicht weggeschwemmt werden.
Die drei Meter hohe, drei Meter breite und sechs Meter lange Skulptur besteht aus zwei Stahlplatten, die über Kreuz zusammengesteckt und verschweißt wurden. Es handele sich dabei um 15 Millimeter starke Stahlplatten, wie sie im Schiffbau verwendet werden, sagte Sören Neick, Geschäftsführer der Oderberger Stahlbau GmbH. Mit einer Plasma-Brennmaschine sei das Relief in die Platten geschnitten worden, erläuterte Neick. Dazu würden die Stahlplatten fünf Zentimeter unter Wasser geschnitten, um den Staub zu binden. Die Maschine wird per Computer gesteuert.
Die Oderberger Stahlbaufirma, die unter der Wirtschaftskrise leidet, fertige derzeit Brücken aus Stahl und Außenhauttüren für Schiffe, die in der in Meyer-Werft in Papenburg gebaut werden. Demnächst errichte der Oderberger Stahlbau eine Brücke in Mecklenburg-Vorpommern und habe den Auftrag erhalten, die Pöppelmannbrücke über die Mulde in Grimma zu bauen, die beim Hochwasser im August 2002 beschädigt wurde und teilweise gesprengt werden musste. Die 116 Mitarbeiter arbeiten kurz. Neick geht jedoch davon aus, dass im nächsten Jahr die Kurzarbeit aufgehoben werden könne.
Derzeit ist die Skulptur mit Rostschutz lackiert. Sie erhalte noch einen "Ferrari-roten" Anstrich, erklärte Ernst-Otto Denk. Vorbilder für die Skulpturen seien die ältesten Abbildungen des Viadrus, zum Beispiel das Titelblatt eines Buches des schlesischen Dichters Martin Opitz aus dem Jahr 1627.
Ein Modell der Skulptur steht in Vevais. Das Original ist so errichtet worden, dass der Odergott in Richtung Stettin blickt. Anders als das Modell ist im Original noch ein Schiff eingearbeitet worden. Die Insignien des Flussgottes seien ein Quellgefäß für das Wasser und ein Ruder, das als Symbol für die Schiffbarkeit wirkt, erläuterte der Bad Freienwalder Augenarzt, der sich selbst als Privat-Gelehrter bezeichnet. Geplant sei eine Nixe und eine Oderfürstin, die auf der polnischen Seite errichtet werden soll. Doch dort habe bisher niemand reagiert, zeigte sich Denk enttäuscht. Es handele sich "um überlieferte mythologische Paten der Oder".
Die Kosten, die am Freitag niemand beziffern wollte, übernehme laut Denk der Verein für Geschichte, Kunst und Kultur Neulewin. Das Material spendiert die Oderberger Stahlbau GmbH. Der Verein erhalte Fördermittel aus dem LEADER-Topf.