Mehr Hilfe, als erwartet
"In der Weihnachtszeit habe ich einen Bericht über das Flüchtlingslager auf Samos gesehen, in dem ein Lager mit Hilfsgütern niedergebrannt ist", erzählt Andreas Steinert von dem Moment, als in ihm der Gedanke aufkam, helfen zu müssen. So habe er einfach einen Aufruf gestartet, Hilfsgüter und Geld zu spenden, um die Not, die durch den Brand in dem Lager entstanden war, ein wenig zu lindern. "Ich habe nie damit gerechnet, dass wir damit einen Truck vollbekommen", erinnert er sich. Der Zuspruch und die Spendenbereitschaft der Menschen in und um  Bad Freienwalde herum sei jedoch so groß gewesen, dass bis Ende Februar viereinhalb Sattelzüge beladen werden konnten. Kleidung, Hygieneartikel, Lebensmittel und jede Menge mehr sei in kurzer Zeit zusammengekommen. "Als wir erlebt haben, wie viele Menschen helfen wollen, konnten wir die Sache nicht einfach einschlafen lassen", so Steinert.
Und so sei am 29. Februar der gemeinnützige Verein "Wir packen’s an" aus der Taufe gehoben worden. "Da wir auch Geldspenden bekamen, mussten wir dem Ganzen natürlich einen rechtlichen Rahmen geben", erläutert Steinert einen der wesentlichen Gründe für die Vereinsgründung. Mit acht Personen habe sich der Verein gegründet, inzwischen seien es schon mehr als 40. Unterstützung bekommen Steinert und seine Mitstreiter aus der gesamten Republik. "In Hamburg hat eine Polizistin Verbandskästen für Autos gesammelt, deren Datum abgelaufen sei. Das Verbandsmaterial aus den Kästen sei für die Flüchtlingslager immer noch eine enorme Hilfe.
Miriam Tödter war erst vor kurzem mit einer Hilfslieferung auf der Insel Chios und beschrieb am Freitag die unhaltbaren Zustände in dem Lager, dass für 1000 Menschen angelegt worden sei, in dem zwischenzeitlich aber 7500 und aktuell immer noch 4500 Menschen untergebracht seien. "Es gibt kaum Toiletten, die Schutzmasken, die wir mitgebracht haben, wurden nicht an die Menschen im Lager verteilt, vor der Krankenstation drängen sich die Leute und werden kaum hineingelassen", nennt sie einige der Dinge, die dort schief liefen.
Unhaltbare Zustände
Und sie prangert an: "Die Politik interessiert sich kaum dafür. Der neuen griechischen Regierung wäre es am liebsten, es gäbe gar keine Hilfsorganisationen im Land, ohne uns und die anderen gäbe es aber überhaupt keine Strukturen vor Ort." Außerdem macht sie deutlich, dass den Politikern in der Welt nicht wirklich etwas daran gelegen sei, Fluchtursachen zu bekämpfen. Dazu gehörten neben den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen auch der Klimawandel. "Etwa die Hälfte der Menschen auf der Flucht sind heute schon Klima-flüchtlinge und es werden immer mehr", macht Miriam Tödter deutlich, dass die Gründe für die Flucht in den Industrienationen geschaffen werden.