Es regt sich Widerstand gegen die geplante Hähnchenmastanlage in Neumädewitz. Landwirt Hans-Joachim Schulz will dort 150 000 Tiere halten. Das wollen viele Bürger nicht hinnehmen und wehren sich mit Einwendungen bei der Amtsverwaltung in Wriezen.
14 Punkte umfasst die Einwendung von Sabine und Peter Rossa gegen den Antrag zur Errichtung und zum Betrieb der Broilermast. Detailliert erörtert das Künstlerehepaar aus Altmädewitz darin seine Gründe und hofft, durch möglichst viele Einwendungen Zeit zu gewinnen. Etwa 20 sollen schon zusammengekommen, schätzt das Ehepaar. Darunter seien vor allem Bürger aus Altreetz, Altwriezen, Altmädewitz und Neumädewitz.
„Wir haben auch nur über die MOZ von dem geplanten Bauvorhaben erfahren“, sagt Peter Rossa. Schnell habe er gemerkt, dass viele Mädewitzer von den Plänen Hans-Joachim Schulz´ lange nichts gewusst haben. „Und wenn die Leute nicht informiert sind, können sie auch nicht reagieren“, resümiert Sabine Rossa.
Doch schnell hätten auch andere festgestellt, dass sie von Tiermastanlagen eingekesselt werden: die Entenmast in Mädewitz, die geplanten Broilermasten in Neumädewitz und Altwriezen, die Schweinezucht Altwriezen, die Milchviehanlagen in Beauregard, Altwustrow und Altreetz.
„Was passiert dann mit uns und dem Oderbruch“, fragen sich Rossas. Beide befürchten einen Verlust an Lebensqualität, eine Wertminderung ihres Hauses, gesundheitliche Folgeschäden, eine Belastung der Böden und des Grundwassers durch die riesigen Mengen an Mist sowie ein größeres Verkehrsaufkommen.
„Wir sprechen den Landwirten nicht ab, Geld verdienen zu wollen beziehungsweise ihre Existenz zu sichern“, sagt Sabine Rossa. „Doch sie differenzieren nicht zwischen industrieller ?Produktion auf dem Land und Landwirtschaft“, ergänzt ihr Mann. Beide halten es für ein Totschlagargument der Landwirte, zu sagen, im Oderbruch hätte es schon immer Landwirtschaft gegeben. Denn ihrer Meinung nach, hätte diese Form der Massentierhaltung nichts mehr damit zu tun. Erst vor kurzem sei aus der 100 Meter entfernten Entenmast ein Tier entkommen. Erschreckt hätten sie festgestellt, wie die Ente gestunken hätte. Sie sei verdreckt und völlig verhermt gewesen.
Dabei, betonen beide, seien sie weder Vegetarier noch Veganer, sondern es ginge ihnen eher um Nachhaltigkeit. Aber auch um die Tiere: „Die geplanten 8,5 Mastdurchgänge entsprechen einer Kurzmast und damit Millionen von Tieren in einem Jahr“, sagt Peter Rossa. Zudem seien etwa 20 Tiere pro Quadratmeter zusammengepfercht, rechnet er vor.
Darüber hinaus liegt beiden die Bewahrung des Oderbruchs als Kunst- und Kulturlandschaft am Herzen. „Wir haben genauso viel Recht hier zu leben“, sagen beide mit Nachdruck. Tausende Besucher zieht das Ehepaar – wie die anderen Künstler und Kunstschaffenden auch – jährlich ins Oderbruch. „Wenn in den Anlagen viele Arbeitsplätze entstehen würden, könnten wir ja noch nicht einmal etwas dagegen sagen“, so Sabine Rossa. Doch sei das in der Regel nicht der Fall. Dafür bleibt die Sorge um das Ausbleiben der Touristen, die das Oderbruch als grüne Oase vor den Toren Berlins schätzen.
Als weitere Unterstützung für den Erörterungstermin hat das Ehepaar seitenweise Unterschriften gesammelt. Darunter seien nicht nur Unterschriften von Betroffenen, betonen beide.