"Ich finde es gut, dass ein ausgezeichneter Ort auch mal ausgezeichnet wird", sagt Wriezens Bürgermeister Uwe Siebert am Donnerstagabend schmunzelnd. Er freue sich, dass das Wriezener Rathaus für die Festveranstaltung ausgewählt wurde.
Gleichzeitig betont er, dass es nicht nur um die Stadt gehe. Zwar befinden sich die beiden Partnerschulen, die Grund- und Oberschule Salvador Allende und das Johanniter-Gymnasium, in Wriezen. Doch das Projekt Heim(at)arbeit richtet seinen Blick auf das gesamte Oderbruch.
Ziel des Bildungsmoduls ist, Schüler zu ermutigen, ihre Augen für die unmittelbare Umgebung zu öffnen. Sie gehen auf Forschungsreise und entdecken, wie viele unterschiedliche Lebensentwürfe es im Oderbruch gibt.
Angefangen hat alles 2011 mit einem Kinderbuch, berichtet Anne Kulozik von der Akademie für Landschaftskommunikation am Donnerstag. Mit Geldern des Landkreises hat der Verein danach Unterrichtsmaterialien für Grundschulen entwickelt. In den beiden Wriezener Schulen fanden sich Partner, die das Bildungsprojekt in den Arbeit-Wirtschaft-Technik-Unterricht integrieren wollten.
Was dann geschah, berichten Schüler und Lehrer gemeinsam: Helena Gold und Martin Kohler vom Johanniter Gymnasium mit ihrem Lehrer Mathias Lillge und Mathias Petruschke und Juliane Rumpf von der Allende-Schule mit ihrer Lehrerin Birgit Albrecht.
Ausgangspunkt sei das Spannungsverhältnis von Subsistenzwirtschaft und Arbeitsteilung gewesen, erzählt AWT-Lehrerin Birgit Albrecht. Was mache ich selber, was lasse ich andere tun? Diese Frage leitet auch am Donnerstag als roter Faden durch den Abend. Die Schüler berichteten von einem fiktiven Liebespaar, Herrn Fritz und Frau Schatz. Ihre Suche nach dem richtigen Lebensentwurf hielten die Schüler in Comics fest. Ein Gefühl dafür, wie viele Möglichkeiten es auf dem Land gibt, bekamen die Jugendlichen durch Stippvisiten bei Berufstätigen. Von der Korbflechterin über einen Revierförster, einen Bootsführer und einen Fotografen bis hin zu einem Schäfer führten sie die Besuche. "Es war schön zu sehen, wie unterschiedlich die Menschen im Oderbruch leben", berichtet die Schülerin Helene Gold.
Ob durch das Projekt mehr Schüler in der Region bleiben wollen, sei vorschnell gefragt, sagt Kenneth Anders von der Akademie für Landschaftskommunikation. Aber es sollte allen Beteiligten klar geworden sein, dass Arbeit in der Heimat etwas Offenes und Interessantes sei. In seinem Vortrag fasste er einige Erkenntnisse des Projektes zusammen. Etwa, dass sich das in den Medien gezeichnete Bild der als strukturschwach geltenden Region vom tatsächlichen Leben auf dem Land unterscheide.
Sie hätten viele Menschen gefunden, die im Oderbruch arbeiten und sich selbst verwirklichen können. "Es lief in den meisten Fällen gar nicht schlecht", betont Anders. Auf dem Land hätten die Menschen viel mehr Chancen, alles zu vereinen: Lohnarbeit, Subsistenzwirtschaft und Ehrenamt. "Im Oderbruch hat man alles auf einmal."
Im Anschluss an die Projektvorstellung überreichen Juliane von Trotha von der bundesweiten Initiative "Land der Ideen" und Matthias Woyke von der Deutschen Bank den Preis an die Akademie für Landschaftskommunikation. Der Wettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" für die Jahre 2013/14 stand unter dem Motto: Ideen finden Stadt. Es wurden Impulse für die Städte und Gemeinden der Zukunft gesucht. Der Verein widmete den Pokal der Stadt Wriezen. Die wiederum will ihn mit den umliegenden Gemeinden teilen. Schließlich steht die ganze Region im Mittelpunkt.
Mehr von den Ergebnissen der Forschungsreise durch die Heimat zeigt eine Ausstellung, die am Donnerstag im Ratssaal eröffnet wurde. In einer Art Schaukasten präsentieren die Schüler Fundstücke und Erinnerungen an ihre Begegnungen mit Menschen im Oderbruch. Die Ausstellung, die von der Sparkassenstiftung Märkisch-Oderland gefördert wird, soll demnächst in einem Schaufenster in der Wilhelmstraße zu sehen sein. Der Verein sei mit der Hageba im Gespräch, erzählt Anne Kulozik.