Vermutlich sieht so ein Traumgeschäft aus: Freitag vom Grundstücksverkauf hören, sonnabends verhandeln, Montag den Notarvertrag unterschreiben. Jörg Zippel kann diese Geschichte erzählen. So kam er 1991 zu seinem Bad Freienwalder Geschäft. Zippel war damals Mitte 20. Die Banken lächelten müde, als er nach einem Kredit fragte. Irgendwie hat er doch das Geld zusammen bekommen.
Jörg Zippel hatte bereits ein gut funktionierendes Händlernetz aufgebaut. Geschäftsfeld: Batterien und Gase. Schon sein Vater Wilfried baute im uckermärkischen Frauenhagen Stromspeicher für Fahrzeuge. 1979 legte er in Frauenhagen dafür den Grundstein des mittelständiges Unternehmens "Batterie Zippel", das sich bis heute erfolgreich am Markt behauptet.
Den Bad Freienwalder Standort gibt es inzwischen seit 25 Jahren. Am 15. Mai 1991 hatte Zippel Junior die Zweigstelle am früheren Dienstleistungskombinat, kurz DLK, eröffnet. Eine Bettenreinigung gab es bis dahin auf dem Areal, Pkw-Hohlraumkonservierung, ein Fotolabor, eine Werkstatt für die eigenen Fahrzeuge und Zweiräder. Das Gelände, eigentlich idyllisch gelegen mit einem kleinen Teich in der Mitte, sah aus wie "Kraut und Rüben", erinnert sich Zippel. Es gab weder Toiletten noch fließend Wasser. Der Uckermärker hat Hallen und Gebäude, die nicht mehr gebraucht wurden, abreißen lassen. In einem längeren Betriebsteil befindet sich heute die Firma - mit WC und Wasserhahn. Der Rasen ist gepflegt, das Gelände eingezäunt.
Batterien für alle möglichen Gegenstände - vom Rasenmäher bis zum Traktor oder Motorboot - bietet Zippels Mitarbeiter, der Wriezener Michael Wilberg, an. Jede Motorradbatterie können die Experten tauschen, jede Landmaschine, jedes Auto neu bestücken. Darauf hat sich schon der Vater, der 1992 starb, spezialisiert. Zu DDR-Zeiten machte Wilfried Zippel aus der Not eine Tugend: Weil Batterien Mangelwaren waren, baute er sie einfach selbst. Zwölf Kollegen waren damit beschäftigt. Bis zu 12 000 Batterien fertigten sie im Jahr.
Heute ist der Betrieb vermutlich der einzigste in Deutschland, der noch nach altem Muster Bleistarterbatterien im Hartgummigehäuse von Hand fertigt. Die Stromspeicher sind vor allem bei Oldtimerfans gefragt. Zippels Akkus sind deshalb nicht nur im In-, sondern auch im Ausland beliebt. Europaweit verschickt er seine Einzelanfertigungen. Sogar in den Vereinigten Staaten laufen Oldtimer mit Zippels Batterien.
Aber nicht nur mit den Akkus beliefert die Firma ihre Kunden und entsorgt sie gleichzeitig als zertifizierter Betrieb. Ein zweites Standbein ist der Gasevertrieb. Egal ob für Schweißtechnik, Getränkeautomaten, Fleischereien oder Krankenhäuser, Zippel kann vermutlich jeden Wunsch erfüllen. "Sogar Meerwasseraquarien-Besitzer kommen zu uns", erzählt Michael Wilberg. Die benötigen für ihr glasklares Wasser Kohlendioxid.
Bereut hat der mittlerweile 49-jährige Chef den Schritt in die Selbstständigkeit nie. "In Bad Freienwalde hatte ich so kurz nach der Wende meine besten Kunden", begründet Zippel, warum er ausgerechnet in der Kurstadt eine Zweigstelle eröffnete. Bis weit ins Oderbruch hinein beliefert er Kunden. Wenns sein muss, auch über Nacht. Sechs Mitarbeiter beschäftigt der Frauenhagener heute an beiden Standorten.
In dem kleinen Dorf nahe Angermünde kann man sogar selbst Hand anlegen. Ein Workshop, bei dem man unter Anleitung seine eigene Batterie bauen kann, findet nach dem Osterfest statt. Ein genauer Termin stehe noch nicht fest, sagt Jörg Zippel. Er werde aber rechtzeitig auf der Internetseite batterie-zippel.de veröffentlicht.