Die Scherben stammen von Keramikgefäßen, die aus Grauware hergestellt worden sind, also aus einem Ton, der nach dem Brennen dunkel- bis hellgrau wird. Dabei handelt es sich um Reste von Kugeltöpfen, die einen konkaven Rand aufweisen. "Man führt eine Astgabel in die Kehle unterhalb des Randes ein und kann so den Topf anheben und auf die Feuerstelle bugsieren", erläutert der Archäologe Thomas Grantzkow. Die Kugelform sei bei einer unebenen Feuerstelle, die aus groben Steinen und Holzscheiten besteht, die ideale Form, um den Topf auszubalancieren.
Neben Kugeltopf-Fragmenten kamen auch 800 Jahre alte Scherben von Standbodenkeramik zum Vorschein. Dabei handelt es sich um Becher oder Töpfe mit ebenem Boden, wie sie heute noch gebräuchlich sind. Sämtliche Scherben sind unverziert.
Die meisten Stücke wurden in einer Grube entdeckt, die mit Töpfereiabfällen gefüllt war. Im Zuge stichpunktartiger Schachtungen haben die Archäologen auch einen Krater identifizieren können. Der sei möglicherweise bei dem Versuch entstanden, einen Brunnen zu graben. Auf die eigentliche Siedlung weisen im Grabungsgebiet lediglich ein paar Pfostenlöcher hin. Eine prägnante Lehmschicht deutet der Archäologe als möglichen Überrest eines Fußbodens. Die Funde sind in einer Tiefe von 60 bis 150 Zentimetern ab Geländeoberkante aufgetreten.
Insgesamt sechs Kilogramm Scherben hat der Archäologe gemeinsam mit seinen Kolleginnen Hanne Decker und Christina Götz eingesammelt. "Wir haben nur die aussagekräftigen Stücke aufgelesen, einfache Scherben ohne weiteren Informationsgehalt sind an Ort und Stelle geblieben", klärt Grantzkow auf.
Die Funde würden die Lage des Adriansdorfes, das lange als eigenständiges Dorf neben Beeskow bestand, bestätigen. Möglicherweise habe sich am Ort der Grabung im Mittelalter ein Handwerkergehöft befunden.
Laut dem Mittelalter-Siedlungexperten Hans-Jürgen Rach, der als Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Oder-Spree Mitte der 1990-er Jahre unter anderem das Hüfnerhaus im Fontaneviertel untersucht hatte, belegen die jüngsten Funde die frühe Besiedlung des Adriansdorfs. Es könne sich um eine bäuerliche Hofstelle gehandelt haben. Reste mittelalterlicher Handwerkerhöfe seien eher innerhalb der Stadtmauer Beeskows zu vermuten.
Das Adriansdorf wurde etwa 1450 aufgegeben. Die Gründe dafür könnten klimatische Veränderungen um diese Zeit sein, die auch als "Kleine Eiszeit" bekannt ist, oder eine der damals üblichen Pestwellen. Heute ist das Hüfnerhaus eines der letzten, das an die einst bäuerliche Siedlungsstruktur des Adriansdorfes erinnert.
Die Funde werden jetzt am Standort des Archäologie-Büros bnb in Berlin gewaschen, bestimmt und mit einer 12-stelligen Inventarnummer versehen. Anschließend wandern die Scherben ins Zentrallager des Brandenburgischen Landesamts für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum nach Wünsdorf.
Die Grabungen, die jetzt vor dem Abschluss stehen, finden im Rahmen der baubegleitenden archäologischen Untersuchungen statt. Auf dem Gelände sollen in den nächsten Monaten Seniorenwohnungen entstehen. Bauherrin ist Sabine Ohnesorge, Inhaberin des Pflegedienstes "Ohne Sorge". Ab Herbst beginnen im Rahmen des Programms "Soziale Stadt" in der Ostvorstadt in unmittelbarer Nähe Straßen- und Kanalbauarbeiten. Auch diese Maßnahme wird archäologisch begleitet werden.