"Wenn es diese Bahnverbindung nicht mehr geben würde, wäre es eine Katastrophe. Es ist sehr wichtig, dass sie erhalten bleibt", sagt Sabine Brix. Die Storkowerin nutzt diese Regionalbahn täglich, um zur Arbeit nach Hubertushöhe zu fahren. Wenn sie in die Kreisstadt Beeskow will, fährt sie ebenfalls mit diesem Regionalzug, denn Busverbindungen gibt es kaum. Als sie von dem Gerücht hörte, hat sie sofort im Storkower Rathaus angerufen.
Auch Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig weiß um die Bedeutung dieser Bahnstrecke für die Region. Gemeinsam mit dem Bürgermeister aus Königs Wusterhausen, Lutz Franzke, und dem SPD-Landtagsabgeordneten Klaus Ness hat sie jetzt einen Brief an Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger geschrieben und gefordert: "Die Bahnlinie muss bleiben". Die Strecke sei ein wichtiges Bindeglied zwischen Berlin, dem künftigen Umsteigeknotenpunkt zum Flughafen Berlin-Brandenburg am Bahnhof Königs Wusterhausen und den Erholungs- und Kurregionen im Landkreis Oder-Spree. Besonders verwundert zeigten sich die Unterzeichner des Briefes über den Umstand, dass die Strecke offenbar trotz guter Auslastung zur Diskussion steht. "Es kann schon aus ökologischen Gesichtspunkten nicht gewollt sein, dass die Pendler auf das Auto umsteigen", heißt es. Die Strecke runde auch das Nahverkehrsangebot um den Flughafen Berlin-Brandenburg ab. Die drei Unterzeichner fordern den Dialog mit dem Ministerium und eine Abwägung regionaler Interessen. Klaus Ness dazu: "Ich denke, wir haben ausreichend gute Argumente, um den Minister von unserem Anliegen zu überzeugen, so dass eine Streichung des Angebots kaum in Frage kommen kann."
Der Beeskower Bürgermeister Frank Steffen kündigte an: "Wir werden uns im Gemeindeverbund der Daseinsvorsorge damit befassen, um die Gefahr einer Stilllegung abzuwenden." Am 17. April finde ein Treffen mit allen umliegenden Gemeinden einschließlich Storkow statt. "Wir fordern schon lange die Beschleunigung der Strecke und Fahrplanänderungen, um den Zug attraktiver zu machen", so Frank Steffen. "Das ist ohne weiteres möglich, ich bin neulich selber mal gefahren. Die OE 36 ist nicht nur eine Notwendigkeit für den Tourismus, sondern auch für die Wirtschaft", betonte er. Auf der Strecke werde auch das Glunz Werk mit Gütern beliefert.
Auch der Linken-Landtagsabgeordnete Peer Jürgens protestiert: "Es darf nicht sein, dass die ländlichen Gebiete in Brandenburg abgehängt werden. Nachdem Pläne bekannt wurden, dass möglicherweise der Express-Bus zwischen Beeskow und Fürstenwalde eingestellt werden könnte, ist das die zweite Hiobs-Botschaft in Bezug auf die Verkehrsanbindung großer Teile des Landkreises Oder-Spree", sagt er und fordert: "Wir dürfen nicht zulassen, dass es kaum noch ÖPNV in unserer Region gibt. Ich erinnere den Verkehrsminister an den Koalitionsvertrag, darin ist die Einstellung von Bahnlinien klar verneint." Jürgens ruft alle Betroffenen auf, sich beim Verkehrsminister ebenfalls für das Fortbestehen der OE 36 einzusetzen.
Die 1898 in Betrieb genommene Strecke wird seit einigen Jahren von der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) betrieben. Der Vertrag läuft noch bis 2014. Er enthält auch eine Abbestellklausel, so dass die Strecke schon früher nicht mehr bedient werden könnte. "Leider werden wir mit unseren Erfahrungen in die Entscheidungsfindung überhaupt nicht einbezogen", sagt Arnulf Schuchmann, der Pressesprecher der ODEG.