Mit einer fröhlichen Zugfahrt haben junge Leute Sonnabend eine Lanze für die Regionalbahn gebrochen. Die Verabredung war über die Internet-Gemeinschaft Facebook erfolgt. Eingeladen hatte Andreas Batke aus dem Storkower Ortsteil Klein Schauen.
Zum Mitfahren angemeldet hatten sich bis Sonnabend genau hundert Leute. Wie viele dann schließlich wirklich dabei waren, lässt sich nicht exakt beziffern. Die Bundespolizei, die die Aktion beobachtet hat, spricht von 40 Teilnehmern. Nach der Einschätzung unserer Redaktion könnten es allerdings auch 70 gewesen sein. In der Mehrzahl waren es Jugendliche. Sie stiegen vor allem auf der Strecke zwischen Beeskow und Königs Wusterhausen ein und wechselten zwischendurch die Züge, wenn sich Bahnen an Haltepunkten wie in Wendisch Rietz oder Zernsdorf kreuzten. "Ich erkenne viele wieder, das sind Stammgäste auf dieser Linie, sie fahren täglich zur Schule oder zur Arbeit", sagte der ODEG-Zugbegleiter Jörg Witt, der die Sache mit Sympathie verfolgte.
Mit von der Partie war zum Beispiel die Beeskower Band "Cheers for an altruistic whore". Die Jungs sorgten mit ihren Gitarren für ordentlich Stimmung im Abteil und hatten ein Plakat dabei mit der Aufschrift: "Lasst die ODEG weiter fahren". Aus Storkow kamen unter anderem Willi Kiesow (16) und Paul Dettlaff (17), zu deren Gruppe auch Freunde aus Berlin gehörten. "Ich mache hier mit, weil ich will, dass die Strecke bleibt", sagte Willi Kiesow. "Es ist für mich die einzige Möglichkeit, in die Schule nach Beeskow zu kommen oder abends ins Kombinat."
Anlass für diese Facebook-Party auf Schienen waren geplante Einschränkungen bei den Regionalbahnstrecken im Land Brandenburg. Und so hieß das Motto denn auch: "Feier für die ODEG, Feuer für die Regierung". Neben ihrem Plädoyer für den Erhalt des Nahverkehrsangebotes ging es den Teilnehmern dieser Aktion ganz speziell um die Strecke OE 36, die von Lichtenberg bis Frankfurt (Oder) führt. Hier soll es künftig auf dem Abschnitt zwischen Beeskow und Frankfurt an den Wochenenden nur noch einen zweistündigen Takt geben, was von vielen als der Anfang einer Abwärtsspirale gesehen wird. Bürgermeister der Anliegerkommunen sowie die Landtagsabgeordneten Klaus Ness (SPD) und Peer Jürgens (Die Linke) hatten sich in den letzten Wochen sehr für den Erhalt dieser Linie stark gemacht. Peer Jürgens verweist darauf, dass in den Ausbau dieser Strecke bisher unter anderem schon 5,2 Millionen Euro Landesmittel geflossen sind.
Bei der Aktion zeigten auch Lokalpolitiker Flagge. Die Storkower Bürgermeisterin Cornelia Schulze-Ludwig war am Bahnhof zugegen, und zu den Mitfahrern gehörte der Beeskower Stadtverordnete Willi Hagemann. "Die Bahnlinie sollte nicht nur erhalten werden", forderte er, "sondern sie muss noch attraktiver gestaltet werden, damit noch mehr Leute dieses Angebot nutzen."
ODEG-Vertreter Jörg Kien freute sich über diese Sympathiekundgebung, die laut Bundespolizei ohne Zwischenfälle verlaufen ist. "Schön wäre es, wenn nach dieser Aktion auch weiter Werbung für die Linie gemacht wird. Wir sind sehr an einer Zusammenarbeit mit den Kommunen interessiert."