Der Seniorenbeirat der Stadt Friedland hatte am Mittwoch Cornelia Ewert vom neuen Pflegestützpunkt Beeskow eingeladen, um über das neue Pflegestärkungsgesetz zu informieren. Die Expertin lobte an der neuen Regelung, dass bei der Beurteilung des Pflegegrades nicht mehr die dafür benötigte Zeit in Minuten herangezogen wird. Stattdessen gebe es ein Punktesystem, das von 0 bis 5 reicht. Dementsprechend fällt die Höhe der staatlichen Hilfen aus.
Cornelia Ewert rät, gegenüber den Gutachtern vom medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) ehrliche Antworten zu geben. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Angehörige, mehr aber noch die Betroffenen selbst, aus Scham die Pflegebedürftigkeit herunterspielen. "Seien Sie ehrlich, wenn Sie Probleme haben, ihre Hemden selbst auf- und zuzuknöpfen. Auch beim Thema Mobilität komme es oft zu falschen Selbsteinschätzungen. So sei die Notwendigkeit, sich beim Gehen in der Wohnung an Möbeln und Wänden abzustützen, bereits ein ernst zu nehmender Hinweis auf eine vorliegende Mobilitätseinschränkung. "Wer allein nicht mehr Treppen hoch oder runter gehen kann, ist eindeutig in der Mobilität eingeschränkt und sollte das auch eingestehen."
In dem neuen Pflegegesetz sind nach Darstellung Cornelia Ewerts jetzt auch psychische Erkrankungen, die durchaus auch Menschen unterhalb des gesetzlichen Renteneintrittsalters betreffen können, eingearbeitet. Psychische Erkrankungen, die eine dauerhafte oder zeitweilige Pflegebedürftigkeit erzeugen, würden insgesamt zunehmen, gerade auch bei jüngeren Menschen.
Cornelia Ewert rät Älteren, sich klare Tagesstrukturen zu schaffen. Sie habe die Erfahrung gemacht, dass Ältere, deren Kinder und Enkel erwachsen sind, oft in ein Motivationsloch fallen. "Manchmal genügt es, diese Menschen eine Zeit lang regelmäßig zu besuchen, und ihren inneren Motor wieder anzureißen." Ein weiterer Rat der Pflege-Expertin ist, bei der Erstellung von Vollmachten und Patientenverfügungen alle Kinder zu beteiligen, um so die Verantwortung für spätere Entscheidungen zu teilen. Bei der Erstellung der Patientenverfügung sollte der Hausarzt hinzugezogen werden. "Der weiß über das jeweilige Krankheitsbild am besten Bescheid." Cornelia Ewert rät Senioren und deren Angehörigen, , noch vor der Beantragung einer Pflegestufe sich in einer kompetenten Beratungsstelle zu informieren.
Kontakt: Pflegestützpunkt Beeskow, Tel. 03366 5200478