Die Deutschen kaufen gerne Obst und Gemüse aus Polen. Wenn Marek und Eleonora Mista am Donnerstag ihren Stand auf dem Markt in Beeskow öffnen, stehen die Kunden schon Schlange.
„Blumenkohl, was der ist schon weg?“, die Kundin ist enttäuscht, findet aber noch genug anderes, was sie kaufen kann. Tomaten, Pilze, Kohl, Zwiebeln – alles, was man sich an einem Gemüsestand wünscht, haben Eleonoraund Marek Mista zu bieten. Geduldig haben sich auch am letzten Donnerstag die Kunden eingereiht, sie werden aber flott bedient. Dass das Ehepaar aus Rzepin, etwa 50 Kilometer von Beeskow entfernt, schon seit 4 Uhr auf den Beinen ist, sieht man ihm nicht an. Sowohl er als auch sie schauen immer freundlich. Vielleicht ist es ja das, was die Beeskower – außer dem Angebot – begeistert. Schon seit fünf Jahren kommt das Paar nach Beeskow. „Die Stadt und der schöne Marktplatz waren mir schon früher, noch zu DDR-Zeiten, bei der Durchfahrt aufgefallen“, sagt Marek auf polnisch. Mit dem Deutsch tut er sich schwer (genauso wie die MOZ-Redakteurin mit dem Polnisch). Deshalb gibt Ireneusz Zarebski, er ist Teamassistent bei der Beeskower Firma Loscon Hilfe. Der 31-Jährige ist zwar in Polen geboren, aber in Deutschland aufgewachsen, er kennt sich aus in beiden Sprachen und sprang freundlicherweise als Dolmetscher ein.
Marek Mista kennt zwar die Namen der Obst- und Gemüsesorten, weiß, was Gramm und Kilo sind und beherrscht die kleine Konversation, „aber so richtig habe ich nie Deutsch gelernt“, sagt er. „Das fällt mir sehr schwer, ich bin nicht sehr sprachbegabt.“ Er und seine Frau haben bis zur Rente als Lehrer an einer Forstschule gearbeitet, aber die Rente sei nicht so üppig, deshalb würden sie auf Märkte gehen. Dienstag sind sie in Strausberg, Mittwoch in Müncheberg, Donnerstag in Beeskow und Freitag in Berlin-Grünau. Das Obst und Gemüse, das sie verkaufen, bringen sie aus Polen mit, sie holen es in der Früh vom Großmarkt in Slubice und fahren dann über die Grenze.
Das Geschäft lohne sich, sagt der 59-Jährige, weil der Kurs so gut stehe: Ein Euro zu 4,30 Szloty.
Mit den deutschen Kunden kommen die polnischen Händler sehr gut zurecht. „Wir hatten noch nie Unannehmlichkeiten“, sagt Marek Mista. Auch lustige Geschichten kann er erzählen. In Berlin biete er manchmal geräucherte Schweineohren als Hundefutter an. Eine ältere Dame habe sie gekauft und beim nächsten Mal erzählt, dass sie zu hart gewesen wären und sie nicht runterbekommen hätte ...
„Schöne Birnen“ hat sich heute Rosemarie Schilling aus Bornow mitgenommen. Sie kommt gern auf den Markt und auch zu Mistas an den Stand. „Warum nicht, die Ware ist gut, das Ehepaar nett.“ Auch Eberhard Jessat geht immer „zu Marek“,heute hat er sich eine grüne Gurke und Petersilie gekauft. „Ich versuche immer alles frisch zu kaufen, nicht aus dem Discounter“, sagt der Beeskower Rentner. Deshalb wünscht er sich, dass es weniger Sachen, aber mehr Essbares auf dem Markt gibt. „Ob aus Polen, Lübben, aus dem Oderbruch oder aus unserer Gegend – ich kaufe gern Bodenständiges. Damit tue ich ja nicht nur mir einen Gefallen, sondern auch den Händlern.“
Marktleiter Reiner Splettstößer weiß, dass der Mix der Marktangebote nicht immer ausgewogen ist. „Aber wir haben keine Alternativen“. Für ihn ist wichtig, dass viele Händler auch während der kalten Jahreszeit ausharren. Die Kernzeit, an die sie sich laut Satzung halten müssen,liegt jetzt, also vonOktober bis März, von 8 bis 15 Uhr.