Mit einem offenen Brief wendet sich Amtstierärztin Petra Senger an die Bevölkerung des Kreises und wirbt um die Einhaltung der Festlegungen zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest. Konkret sei es sehr wichtig, Wald und Flur im Kerngebiet nicht zu betreten. Generell sollte das ausgewiesene Kerngebiet nur befahren werden, wenn es zwingend erforderlich sei. Außerdem bittet Petra Senger darum, die Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen nicht zu behindern. Diese würden in den kommenden Monaten auch im Schlaube- und Dorchetal notwendig. Sie wisse, dass diese Gebiete wunderschöne Erholungsgebiete sind. „Bitte akzeptieren Sie, dass dort in den nächsten Monaten intensive Tierseuchenbekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden. Suchen sie sich für diese Zeit Alternativen“, schreibt die Amtstierärztin.

Jagd nach Wildschweinen beginnt wohl kommende Woche

Nun sei eine drastische Senkung des Schwarzwildbestandes die wichtigste Maßnahme, um das Seuchengeschehen aufzuhalten. Dazu müssen „jagdruhige Methoden“ angewendet werden. Voraussetzung für den Beginn sei die Fertigstellung des inneren und äußeren Festzaunes um ein Kerngebiet, ansonsten drohe eine massive Versprengung der Schweine über die natürliche Wildwanderung hinaus. Das ist für das erste Kerngebiet so gut wie erreicht, letzte Tore würden noch eingebaut. „Ich bin mir dessen bewusst, dass wir den Menschen in den betreffenden Gemeinden, den Landwirten, den Forstbetrieben, allen anderen Betrieben, die Land- und Forstflächen nicht nutzen dürfen, sehr viel abverlangen, insbesondere nach den herben Einbußen durch coronabedingte Schließungen. Ich bitte Sie alle dennoch um Verständnis – es ist unsere einzige Möglichkeit, dieser Tierseuche Einhalt zu gebieten, das Virus zu verdrängen und in einer Zeitschiene von mindestens einem Jahr nach dem letzten Fallwildfund wieder ASP-frei zu werden“, heißt es in dem Brief. Bislang sei die Viruseindämmung noch nicht gelungen. Ursachen seinen Schwarzwildbestände in einer Größenordnung, die sich selbst viele Jäger, die hier zu Gast waren, so nicht vorstellen konnten. Hinzu käme ein hoher Infektionsdruck der osteuropäischen Wildschweinpopulation.

Dank an eine Vielzahl von Helfern

Bis heute (12. November) habe man 117 verendete Kadaver Schwarzwild im Kreis gefunden, beprobt, geborgen, epidemiologisch aufgearbeitet und über die Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt. „Dabei haben uns hunderte Helfer unterstützt – allen voran die Jäger, die Einstands- und Rückzugsgebiete der Rotten in ihren Jagdgebieten am besten kennen, aber auch Mitarbeiter der Kreisverwaltung und von Landwirtschaftsbetrieben, Fischer an Ufern von Gewässern, Menschen, die Drohnen so gut bedienen können, dass sie selbst in Maisfeldern die Wärmequellen finden, die auf lebende oder verendete Tiere hindeuten und uns so gezielt suchen lassen. Der Polizeihubschrauber war mehrfach im Einsatz, das Technische Hilfswerk mit Suchtrupps und seiner Drohnen- und Wärmebildtechnik, Brandschutzeinheiten der Feuerwehren, die Polizei, die Ordnungsämter der betreffenden Amtsgemeinden, die Bundeswehr, Kadaversuchhunde aus Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein und viele, viele Helfer mehr. Unermüdlich waren sie oft in sehr unwegsamer Landschaft im Einsatz – ich ziehe meinen Hut und sage Danke!“, schreibt Petra Senger.

Hunderte verpasste Telefonate

Für die Zukunft verspricht sie weiter regelmäßige Informationen über den Fortgang des Geschehens, bittet aber auch um Verständnis, wenn Sie nicht alle Anfragen direkt beantwortet. „Mein Telefon hat heute 1149 nicht entgegengenommene Anrufe aus den letzten Wochen angezeigt“, bekennt Senger. Und das, obwohl es permanent klingele und sie gefühlt mehr als 10.000 Gespräche geführt habe.
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