Nach der Einstellung der Verfahren gegen die Agrargenossenschaft Günthersdorf und gegen das Veterinäramt Oder-Spree atmen die Betroffenen auf. Der Günthersdorfer Betrieb versucht, sich von den Folgen des nun entkräfteten Tierschutzskandals  zu erholen.
Am Schreibtisch von Sybille Erhard sind lustige Tierbilder angeklebt. Sie zeigen Rinder, Pferde und Schweine, die scheinbar unbeschwert in die Welt blicken. Alles andere als unbeschwert ist die Gefühlslage der Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft Günthersdorf. Zu tief sitzt der Schock und die Enttäuschung über den „Rufmord“, wie sie es bezeichnet, was dem Betrieb widerfahren ist. Im Juni vorigen Jahres standen die Genossen als Tierquäler am Pranger, die Videos von kranken, halbtoten und hilflosen Ferkeln wurden damals im Internet gezeigt und im Fernsehen ausgestrahlt. Die Aufnahmen wurden von der Tierschutzorganisation PETA veröffentlicht, sie stammen nach deren Darstellung aus dem Günthersdorfer Stall. PETA erstattete bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) damals Strafanzeige gegen einen leitenden Angestellten der Genossenschaft wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz.
Drei Monate später wandte sich PETA erneut an die Öffentlichkeit, mit neuen Gruselbildern, die wieder in Günthersdorf aufgenommen sein sollen. Dies nahmen die Tierschützer zum Anlass, auch das zuständige Veterinäramt Oder-Spree, genauer: den damaligen Amtstierarzt Thomas Maczek wegen des Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz durch Unterlassung anzuzeigen. Auch dieses Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft nach eingehender Prüfung nun ein. Es gebe keine belastenden Fakten gegen den damaligen Amtstierarzt. Im Gegenteil: In der Begründung der Verfahrenseinstellung stellt Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding fest, dass der Amtstierarzt mehrmals den Betrieb aufgesucht habe. Der Betrieb habe sich gegenüber der Aufsichtsbehörde kooperativ gezeigt und angeordnete Maßnahmen zur Beseitigung von „Ordnungswidrigkeiten“ auch durchgeführt.
Trotz der juristischen Entlastung ist die Geschäftsführerin der Agrargenossenschaft gegenüber der Öffentlichkeit misstrauisch geblieben. Einvernehmliche Fotos aus dem Stall? „Nein, wir wollen keine neuen Bilder, die werden eh nur wieder gegen uns ausgelegt“, sagt Sybille Erhard.
Das Veterinäramt atmet auf. Nicht nur wegen der Anschuldigungen, die zu zahlreichen „Anrufen unter der Gürtellinie“ geführt haben, wie die neue Amtstierärztin Petra Senger berichtet. Sie hatte nach der Pensionierung Maczeks im November die Leitung der Behörde übernommen. Erleichtert sind die Mitarbeiter auch, dass sie sich nun wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können. „Wir waren in den vergangenen Monaten sehr intensiv mit der Angelegenheit beschäftigt, und das in einer Zeit, in der wir alle Kräfte für die Schweinegrippe gebraucht hätten“, so Petra Senger.
In Günthersdorf leckt man nun  die Wunden. Was den ökonomischen Schaden betrifft, den die PETA-Videos und die Strafanzeige bewirkt haben, halten sich die Genossen bedeckt. Der Schaden sei vor allem immaterieller Natur, schätzt die Geschäftsführerin ein. Immerhin seien sie jetzt gefragte Ansprechpartner mit Expertise im Umgang mit Tierschutzskandalen, stellt sie sarkastisch fest.  Später räumt sie ein: Seit der Affäre sei der Umsatz um 20 Prozent gesunken. Vor allem der deutsche Absatzmarkt habe gelitten. Zwar konnte einiges durch ein Ausweichen auf osteuropäische Märkte abgefangen werden, doch zu niedrigeren Absatzpreisen, und unter Inkaufnahme längerer Tiertransporte: „Das ist auch nicht das Gelbe vom Ei“.
Oberstaatsanwalt Ulrich Scherding kritisiert die Vorgehensweise von PETA als „unprofessionell“. Im Sinne des Tierwohls wäre es besser gewesen, die Behörden vertraulich zu informieren, anstatt gleich von Anfang an die Öffentlichkeit einzuschalten. „Auf diese Weise wären Durchsuchungen wesentlich aussagekräftiger, als wenn die Sache schon durch die Medien gegangen ist oder im Internet steht.“ Öffentliche Vorverurteilungen stünden zudem im Widerspruch zu den Grundsätzen des Rechtsstaats.