Zur Einstimmung spielte Wolfgang Kirsch (82) aus Berkenbrück, eine Instanz in Sachen Umweltschutz, auf dem Waldhorn das Lied von der "Märkischen Heide". Und Siegfried Schulz, der Vorsitzende des Naturschutzbeirates (82), machte klar, dass "wir alle die gleiche Luft atmen". Die Ansichten zu den verschiedenen Themen gingen dann doch leicht auseinander, mitunter gab es einen Schlagabtausch. So als Wolfgang Renner (Kandidat B90/Die Grünen für die Lausitz, er vertrat Jörg Gleisenstein für den Wahlkreis Oder-Spree/Frankfurt) dem FDP-Kandidaten Rolf Offermann vorwarf, "sein" Minister Rösler hätte die Subventionen für Solarunternehmen abgeschafft und damit First Solar in den Ruin getrieben. Offermann verwahrte sich dagegen, das Erneuerbare -Energien-Gesetz (EEG) müsse nicht "plansozialistisch", sondern marktwirtschaftliche gestaltet werden.
Bei der Windkraft waren sich alle darin einig, dass man sie in Brandenburg als sichere Energiequelle in Windparks (nicht vereinzelt) brauche, nur müssten endlich technologische Lösungen für die Speicherung gefunden werden. Während Offermann grundsätzlich dagegen ist, Windräder in Naturschutzgebieten und Wäldern aufzustellen, kann sich Renner (er ist Leiter der Naturparkverwaltung Schlaubetal und befindet sich derzeit in 5-monatiger Pause) vorstellen, sie in Wäldern mit wenig naturschützerischem Wert zu errichten.
Auch beim Hochwasserschutz gab es weitgehend Einigkeit darüber, dass den Flüssen mit Überschwemmungsgebieten der Raum gegeben werde, der ihnen im Falle von Hochwasser zustehe. Dazu müssten aber mit der Landwirtschaft Kompromisse gefunden werden. "Wer diesen Konflikt lösen will, muss die nötigen Mittel bereitstellen. Und es muss Thema in der EU werden", sagte Thomas Nord (Die Linke). Martin Hampelt (Piraten), der sich "nah bei den Grünen" sieht, legte nahe, bei allen Maßnahmen zum Hochwasserschutz auf die Erfahrungen der Menschen vor Ort zu hören.
Als es um den Artenschutz ging, wurde vor allem die großen Agrarbetriebe kritisiert. Martin Patzelt (CDU) bezweifelte, dass die industrielle Landwirtschaft wirklich ökologisch sein könne. Landwirte und Umweltschützer müssten gemeinsam diesbezüglich Ziele definieren. Auch Offermann sprach sich diplomatisch für eine Bilanz zwischen Landwirtschaft und Naturschutz aus. Renner ist dafür, gezielt Flächen aus der Nutzung herauszunehmen, um "Urlandschaften wachsen zu lassen". Außerdem kritisierte er den übermäßigen Maisanbau. Auch Nord monierte die "Biomasseproduktion", betonte aber, dass die Landwirtschaftspolitik in der EU gemacht werde. Die Weichen müssten in Richtung lokal begrenzter Produktion gestellt werden.
Der LOS-Naturschutzbeirat: Vorsitzender Siegfried Schulz (l.) und die Beiratsmitglieder befragten am Donnerstag in der Kreisverwaltung Kandidaten für den Bundestag.Foto: MOZ/Ruth Buder
Bundestagskandidaten beantworten Fragen im LOS-Naturschutzbeirat