Die Aufregung um angebliche SS-Runen auf einem Floß am Beeskower Spreeufer wird nun juristisch beleuchtet. Richterin Christine Räckers verhandelte den Fall am Montag am Amtsgericht Fürstenwalde. Es geht um angebliche SS-Runen, die ein Zeuge auf einem Floß am Ufer der Spree in Beeskow entdeckt hatte. Der Vorfall liegt weit zurück, es handelt sich um den Zeitraum vom 30. Juli bis 28. Dezember 2016. Der Eigentümer des besagten Wasserfahrzeug erhielt einen Strafbefehl. Dem Familienvater wird vorgeworfen, er habe billigend in Kauf genommen, dass die verbotenen Siegrunen der "Schutzstaffel der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei", abgekürzt "SS", über Monate hin öffentlich sichtbar waren.
Das sieht der Angeklagte anders. "Als ich den Anruf wegen der Runen von der Polizei bekommen hatte, bin ich am Abend sofort hingefahren und habe diese überstrichen." Schon vor etwa zehn Jahren, als der Angeklagte das Floss gerade fertig gestellt hatte, sei es mit ähnlichen, aber noch umfangreicheren Graffitis beschmiert worden, die er sofort beseitigte.
Neue Bilder vorgelegt
Seine Anwältin, Ursula Lohaus, legt Fotos vor, wonach ihr Mandant die vermeintlichen Runen nicht zwangsläufig bemerken musste, denn zwischen dem Grundstück und dem Liegeplatz verläuft noch ein öffentlicher Weg und am Ufer selbst beeinträchtigt Pflanzenbewuchs die Sicht. Auch fährt der Angeklagte nach eigenen Angaben jährlich nur zweimal mit dem Floß.
Die Frage des Staatsanwalts Frank Riedel, ob sich schon vorher jemand an dem Wasserfahrzeug gestoßen hat, verneint der Angeklagte. Die Aktenlage zeichnet hier ein differenzierteres Bild. Die Wasserschutzpolizei monierte zwar nicht das Floß, jedoch die Musik, die gespielt wurde. Nicht wegen der Lautstärke,  sondern wegen bestimmter Textbestandteile. Daraus resultiert im Februar 2016 eine  Anklageschrift. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt.
Zeuge nicht verhandlungsfähig
Von den bislang vorgelegten Fakten lässt sich eine Schuld oder Unschuld bislang nicht zweifelsfrei herleiten. Vom geladenen Zeugen, einem Polizeioberkommissar, hatte sich das Gericht eine Aussage zu den Vorwürfen im Fall erhofft. daraus wird wohl nichts: "Leider ist der Zeuge nicht verhandlungsfähig", erklärte Staatsanwalt Riedel auf Nachfrage.
Richterin Christiane Räckers unterbrach am Montag die Hauptverhandlung. Den nächsten Verhandlungstermin setzte sie für den 29. Juli um 14 Uhr an. Zu diesem Termin wird dann Jochen Fuchs als Zeuge geladen. Der Jura-Professor hatte das Verfahren gegen den Floß-Eigentümer maßgeblich vorangetrieben. Er erstattete Anzeige und belegte die Fakten mit Fotos, auch dem Petitionsausschuss des Landtags gegenüber. Der Beschuldigte hatte schon vor Verhandlungsbeginn berichtet, dass sein Gartenvisavis, der Jura-Professor Jochen Fuchs, ihn schon wegen allem möglichen angezeigt habe. Etwa wegen baurechtlicher Fragen. Dass gewisse Spannungen zwischen den "Gartenfreunden" existieren, vermutet auch der Staatsanwalt. Die Richterin Christiane Räckers hofft, das Verfahren am nächsten Verhandlungstermin abschließen zu können.