Für 2022 steht nun die Übernahme des RE 1 zwischen Magdeburg und Frankfurt (Oder) bis Cottbus durch die Ostdeutsche Eisenbahngesellschaft (Odeg) bevor. Der Takt soll auf drei Fahrten pro Stunde verdichtet werden. Dafür braucht die Odeg Dutzende zusätzliche Lokführer.

Von Beeskow ins Cockpit

Die Unternehmen suchen sie händeringend, auch Quereinsteiger und Umgeschulte. Das bietet nun auch ein Unternehmen in Beeskow an: die BahnSchul. Gemeinsam mit Detlef Kermbach von der Pribasch SB in Ullersdorf hat sich Michael Peters hier selbstständig gemacht. Seit Januar schulen sie Lokführer, mit Führerschein für E-Loks sowie nötige Zusatzbescheinigungen.
Wegen der Corona-Pandemie war natürlich auch diese Ausbildung zur Pause gezwungen. Theoriestunden werden zunehmend online angeboten. Aktuell läuft außerdem noch ein kleiner firmeninterner Weiterbildungskurs, mit einer Handvoll Teilnehmern. Am Montag startet ein neuer 12-Monate-Lehrgang zur Ausbildung neuer Lokführer. Acht Teilnehmer dürfen am Präsenzunterricht in einem Raum teilnehmen.
Die Umschulung ist adressiert an Menschen, die bereits berufstätig sind, aber ihren aktuellen Beruf nicht mehr ausführen können, sowie Arbeitssuchende. Die meisten Teilnehmer kommen über die Arbeitsagentur, die die Kosten von stattlichen 27 000 Euro als Bildungsgutschein übernimmt. "Vom Bäcker bis zum Schlosser sind schon zu uns gekommen", erläutert Peters das berufliche Spektrum der Teilnehmer. In den letzten Jahren interessierten sich auch immer mehr Frauen für den Beruf der Lokführerin. Voraussetzung ist ein Hauptschulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung. Sowie Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 sind nachzuweisen, denn: "Ja, auch Migranten und Geflüchtete sind eine unserer Zielgruppen", betont Peters. Außerdem könnten Angehörige der Bundeswehr hier wieder ins zivile Leben einsteigen.
Peters selbst ist seit zehn Jahren Lokführer, 2014 machte er seinen Ausbilderschein. Dafür muss man mindestens drei Jahre Praxiserfahrungen vorweisen. Er wurde Dozent bei Pribasch SB und blieb bis 2017. Nach zwei Jahren bei einer Berliner Firma, wollte er sich nun aber etwas Eigenes aufbauen. Und zwar in Beeskow. So kam es zur Neugründung mit dem ehemaligen Chef Kermbach. Sie sind zertifiziert beim Eisenbahnbundesamt.
Der Jahreskurs zum Triebfahrzeugführer beginnt mit einem sechswöchigen Theorieteil. Dann folgen praktische Module, die am alten Rangierbahnhof in Ziltendorf bei ArcelorMittal absolviert werden. Später stehen rund 40 Lernfahrten auf dem Stundenplan, die beim bereits zugesagten Arbeitgeber absolviert und praktisch geprüft werden. Im Personenverkehr ist die Odeg Kooperationspartner, erklärt Peters. Für den Güterverkehr die Betreiber VTG und ITL. Ab September soll dann auch eine dreijährige Lehrlingsausbildung zum Lokführer in Beeskow angeboten werden.

Trainieren am Simulator

Der Unterricht findet wochentags in vier Blockstunden in den Schulungsräumen statt. Im großen Raum gibt es bereits einen ersten Simulator, an dem die Teilnehmer die Zugbedienung trainieren können. Ein zweiter – "größerer, mit komplettem Führerhäuschen", so Peters – ist geplant. Im Obergeschoss gibt es auch Unterkünfte für fünf Teilnehmer, die von weiter her anreisen.
Die Nachfrage auch vonseiten der Streckenbetreiber ist groß und Peters zuversichtlich. "Wir hoffen, dass die Bahn ihre geplanten Klimamaßnahmen bis 2030 auch umsetzt", so Peters. Regionale Strecken sollen ja verdichtet und alte wiederbelebt werden. Die jetzt schon begehrten Arbeitskräfte würden dann in Zukunft weiter dringend gebraucht.

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