Florian Reinke traute seinen Augen kaum, als er am Ufer bei einem Spaziergang das Werk einer Biberfamilie entdeckte. Zwei bis drei Dutzend Bäume hat der Nager umgelegt, um sich Nahrung zu suchen und eine Biberburg aus abgenagten Ästen, Zweigen und Schlamm zu bauen. „Ich vermute, dass er hier bald seine Nachkommen zur Welt bringt“, sagt der 26-Jährige. In einer Biberburg leben in der Regel die Altbiber mit bis zu vier Jungen, oft noch mit Jungtieren aus dem Vorjahr. Im Mai kommen die neuen Jungen zur Welt.
Abschießen dürfen die Jäger die Tiere nicht. Seit den 1950er Jahren gilt der Biber als „streng geschützte Art“, weil er nahezu ausgerottet war. Sichtbar nimmt die Population wieder zu. „Das war ja das Ziel der Unterschutzstellung“, stellt der Beeskower NABU-Vorsitzende Axel Schmidt nüchtern fest. Dass der Nager jetzt am Schwielochsee Bäume fällt, habe auch der Mensch zu verantworten: „Früher waren hier nur Wiesen, erst in den letzten 30 Jahren sind Gehölze angepflanzt worden“, sagt Schmidt. Aber Weichhölzer wie Weiden und Pappeln seien für ihn das gefundene Fressen.
Zahlen über das Anwachsen des Bibers gibt es für die Region nicht. „Wir haben keine Übersicht“, sagt Lutz Ittermann, Mitarbeiter der unteren Naturschutzbehörde. Nur punktuell würde über Probleme berichtet, aus dem Raum Friedland sei bekannt, dass jemand einen Biberdamm zerstört habe. Ittermann befürchtet nicht, dass sich die Population ins „Unendliche“ entwickelt, wenn der Biber auch weiterhin unter Schutz stehe und nicht gejagt werden dürfe. Wegen der begrenzten Lebensräume – er liebt fließende und stehende Gewässer und deren Ufer – entstehe innerhalb der Art eine Konkurrenz. „Wir können auf die natürlichen Kräfte vertrauen.“ Der Mensch müsse sich dennoch auf das vermehrte Auftreten einstellen und sich selbst vor Schäden bewahren. Wer Mais bis direkt an den Graben anbaue, locke den Pflanzenfresser an.
Schaden durch Holzverlust sieht Ittermann nicht: Biber seien nicht am Stamm, sondern nur an der Rinde interessiert. Es verstoße nicht gegen den Schutz, wenn umgeknickte Bäume als Brennholz genutzt würden. „Man sollte jedoch warten, bis die Rinde abgenagt ist.“
Ittermann warnt vor jeglicher Euphorie. „Wer Probleme und Fragen hat, kann sich an uns wenden.“ Man müsse immer den Einzelfall betrachten und gemeinsam Lösungen finden.
Die Gefahr einer Biberschwemme sieht der Niewischer Fischer Mario Fischer, der das Umfeld des Sees genau beobachtet, noch nicht. Mit dem überschwemmten Oderbruch, wo Biber in Einzelfällen abgeschossen werden dürfen, sei die Situation hier nicht zu vergleichen. „Der Zuwachs ist aber auch bei uns sichtbar, deshalb muss man die Population im Auge behalten, um das Maß zwischen Mensch und Natur zu wahren.“