Kathleen Wegenstein, seit 2012 Mieterin des Schlosses in Groß Rietz, zahlt seit Dezember keine Miete und keine Betriebskosten mehr. Über die Höhe der Miete wird Stillschweigen gewahrt, allein die Heizkosten sollen monatlich 1000 Euro betragen. Die Brandenburgische Schlösser GmbH hat die Betriebskosten übernommen, um Schaden von dem Gebäude abzuwenden,und verzichtet derzeit auf die Mieteinnahmen. "Wir haben die Heizkosten übernommen, weil wir glauben, dass Frau Wegenstein nur vorübergehend nicht zahlen kann", sagt Detlef Laubinger, bei der Schlösser GmbH zuständig für Vermögensverwaltung und Immobilien. In zwei, drei Monaten würde geregelt, wie die Rückstände ausgeglichen werden können. Detlef Laubinger sagt, er vertraue Kathleen Wegenstein, denn er arbeite schon sehr lange mit ihr zusammen. "Sie selbst hat sehr viel Geld in die Ausstattung der Zimmer und Bäder gesteckt. Und sie hält an dem Schloss fest, weil es hier wohl auch um ihre Ehre geht."
Kathleen Wegenstein ist Inhaberin und Geschäftsführerin der Industrie- und Marketinggesellschaft no.nonsense mit Firmensitzen in Berlin und Hamburg. Sie hat sich aufgrund von Gerüchten selbst an das Oder-Spree-Journal gewandt und räumt die "momentanen" Zahlungsschwierigkeiten ein. Zugleich stellt sie klar: "Ich selbst bin dafür nicht verantwortlich." Die Schlossherrin sieht sich als Opfer eines groß angelegten Betruges und habe ihren Ex-Mann, von dem sie seit einigen Jahren getrennt lebe, aber nicht geschieden sei, und weitere Mitarbeiter ihrer Firma in Hamburg bei der Polizei angezeigt. Sie verweist auf laufende Ermittlungen des Landeskriminalamtes Hamburg, das Computer und Unterlagen beschlagnahmt und quasi die Arbeit ihres Unternehmens lahmgelegt habe. Die Hamburger Staatsanwaltschaft bestätigte gegenüber dem Oder-Spree-Journal die Ermittlungen gegen den Ex-Mann wegen Veruntreuung.
Dass sie derzeit ihren finanziellen Verpflichtungen für das Schloss nicht nachkommen könne, hinge mit den polizeilichen Ermittlungen zusammen, durch die sie teilweise handlungsunfähig sei. "Das wird sich aber in wenigen Wochen ändern", ist sie sicher. "Denn meine Firma ist nicht insolvent. Und ich gehe damit an die Öffentlichkeit, um weiteren Missbrauch zu verhindern", sagt Kathleen Wegenstein. Sie möchte klarstellen: Nicht sie privat und auch nicht ihr Ex-Mann, sondern ihre Firma no.nonsense sei die Mieterin des Schlosses. "Ich benutze es nicht nur privat für mich, sondern vor allem für die Firma", sagt die 50-Jährige und verweist auf Büros und Fotoshootings, die hier in der entsprechenden Kulisse durchgeführt wurden.
Vor etwa vier Jahren hat die Firmenchefin das Schloss, das saniert worden war und jahrelang leer stand, gemietet. Das über 300 Jahre alte barocke Gebäude verfügt über 1800 Quadratmeter Wohnfläche. Der Mietvertrag besteht für zehn Jahre. Bei einem ersten Rundgang durch das Haus im Oktober 2012 sagte Geschäftsführer Wolfgang Iller, Geschäftsführer der Schlösser GmbH, er sei froh, einen Betreiber für Groß Rietz gefunden zu haben. "Wir legen die Sanierungskosten - in diesem Fall 5,6 Millionen Euro - nicht um. Dann kämen wir auf 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter, und das wäre illusorisch." Jetzt aber müsse sich das Schloss selber tragen. Das hat sich nun geändert. Die Kosten trägt zurzeit wieder die Brandenburgische Schlösser GmbH. "Ich bin sehr froh, dass man mir so entgegenkommt", sagt Kathleen Wegenstein, die das Schloss nicht aufgeben möchte. Zur Zeit sind stundenweise ein Hausmeister und eine Hausdame aus der Region beschäftigt.