Anstelle des Wandbildes, das ursprünglich einen Mähdrescher bei der Ernte, forschende Schüler und eine Sportlergruppe zeigte, ist nun eine weiße rechteckige Fläche an der Giebelseite der Schule zu sehen. Dort soll, nach dem Willen der Stadtverwaltung und der Schulleitung, ein von Schülern selbstentworfenes Gemälde aufgemalt werden.
Das nach Beendigung der Bauarbeiten nicht wieder angebrachte Kunstwerk hat inzwischen zu Diskussionen in der Bürgerschaft geführt. Schlossermeister Steffen Bahro, dessen Vater das Wandbild angefertigt hatte, bezeichnete es als „beschämend“, wie mit Kunstwerken einer ausgeklungenen Epoche umgegangen werde: „Das ist wie beim Bildersturm im Mittelalter!“, ärgert er sich. Das Problem mit den Wärmebrücken hält der Bauschlosser aus technischer Sicht für lösbar: „Dafür gibt es Lösungen, beispielsweise wärmegedämmte Dübel.“
Auch Jörg Zimmermann, ehemaliger langjähriger Schulleiter, möchte das Kunstwerk wieder an seinem angestammten Platz sehen: „Das gehört zur Geschichte der Schule einfach dazu.“
Friedlands Ortsvorsteher Lutz-Bodo Knöfel kritisiert die Pläne, die Giebelfläche neu zu gestalten: „Man hat nach der Wende den Namen Katja Niederkirchner entfernt, und nun auch noch das Wandbild!“ Stattdessen pocht er darauf, die Tradition der Schule zu respektieren. Knöfel kritisiert insbesondere, dass es keine öffentliche Diskussion über die Verwendung des Kunstwerkes gegeben hat.
Auch Friedlands ehemaliger Amtsdirektor und Ortsbürgermeister Manfred Krüger ist irritiert, dass das Wandbild so sang- und klanglos aus dem öffentlichen Stadtbild verschwunden ist. Seiner Ansicht nach ist der Fries, der die Themen Landwirtschaft, Wissenschaft und Sport beinhaltet, eng mit der Stadt verbunden: „Wir haben das ja damals nicht umsonst angebracht! Warum soll denn immer alles Alte weg?“ Krüger regt an zu prüfen, ob es nicht doch technisch möglich ist, das Kunstwerk wieder an seinem alten Platz anbringen zu lassen: „Man muss es nur wollen.“
Schulleiterin Elke Lange war nach eigenen Angaben auch nicht glücklich darüber, das Kunstwerk dauerhaft vom Schulgiebel zu entfernen, hält aber die technischen Argumente für dessen Abnahme für plausibel: „Wir wollten eigentlich das alte Bild behalten, aber entscheidend ist, dass die restaurierte Fassade lange erhalten bleibt.“ Im vergangenen Schuljahr hätten Schüler der vierten bis sechsten Klasse im Kunstunterricht einen Entwurf für die neue Fassade erarbeitet.
Friedlands Bürgermeister Thomas Hähle verwahrt sich indes gegen Vorwürfe, gegenüber dem Wandbild ignorant zu sein, verweist stattdessen auf die in der Expertise genannten bautechnischen Zwänge: „Wir schmeißen unsere alte DDR-Kunst nicht einfach weg. Ich suche nach einem neuen Aufstellplatz für die Arbeiten.“ Falls kein geeigneter Platz für das gesamte Bild gefunden werde, könne er sich auch vorstellen, die drei Teile des Frieses künftig einzeln zu zeigen.
Bei dem Fries handelt es sich um eine Auftragsarbeit des 2008 in Dresden verstorbenen Künstlers Sepp Womser, der 36 Jahre lang in Eisenhüttenstadt lebte und dort auch viele Kunstwerke im öffentlichen Raum hinterlassen hat. Dazu zählen das Mosaik „Drachensteigen“ am Giebel des Hauses der Vereine im Stadthafenweg, eine Stelenwand im Wohngebiet „An der Holzwolle“ und eine weitere an der Turnhalle im VI. Wohnkomplex.