Ein Zeuge, der mit Hilfe seines Handys Kontakt zur Polizei aufnahm, und so mithalf, den bewaffneten Mann dingfest zu machen, sagte gegenüber der MOZ, der Mann sei in den Hausflur eines Mehrfamilienhauses eingedrungen und habe gerufen: "Wo wohnen hier die Asylanten?" Er sei vorläufig in Gewahrsam genommen worden, teilt die Polizei mit. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei der Pistole um eine originalgetreu aussehende Softair-Waffe.
In dem selben Haus hatte es am 25. Januar eine Handgreiflichkeit zwischen einem deutschen Hausbewohner und einem 19-jährigen syrischen Flüchtling gegeben. Bei dem Zwischenfall hatte der 19-Jährige dem deutschen Mitbewohner im Streit ins Gesicht geschlagen. Zuvor sollen der deutsche Mitbewohner und dessen Lebensgefährtin mehrfach gegen die Wohnungstür der syrischen Familie getreten haben.
Am Donnerstag war in dem Wohnblock der Beeskower Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft ein anonymes Schreiben aufgetaucht, in dem vom "Schutz unserer Beeskower Bürger vor weiteren kriminellen Übergriffen" die Rede ist. Ein Mieter des Hauses sei "von Asylanten tätlich angegriffen" worden, heißt es in dem Pamphlet.
Der Vater des 19-jährigen Syrers nimmt seinen Sprössling in Schutz: "Mein Sohn ist nicht kriminell." Sein Sohn habe auf Provokationen durch eine Mietpartei, der die Familie seit mehren Wochen ausgesetzt sei, im Affekt überreagiert. "Ich bedauere, geschlagen zu haben", so der 19-Jährige. Er habe sich veranlasst gesehen, seine Familie vor den Nachbarn, die aggressiv aufgetreten seien, in Schutz zu nehmen. "Wir wollen mit allen friedlich zusammenleben, auch mit unseren Nachbarn", so der syrische Familienvater, der bis zur Flucht aus seiner Heimat in der syrischen Stadt Homs als Rechtsanwalt tätig war. Die syrische Familie fühlt sich von besagter Mietpartei durch verbale Beleidigungen belästigt. Barbara Buhrke, die die syrische Familie ehrenamtlich betreut, berichtet von Böllern, die in dem Balkon der syrischen Familie explodieren. Es sei allerdings unklar, wer die Knaller wirft.
Beeskows Bürgermeister Frank Steffen hat den Streit inzwischen zur Chefsache erklärt. Gemeinsam mit der Schiedsfrau Sieglinde Schenk solle versucht werden, die Streitparteien an einen Tisch zu bringen. Ein Gespräch mit Mietern des betroffenen Mehrfamilienhauses, dass am Donnerstag um 17 Uhr stattfinden sollte, wurde von der Stadt kurzfristig vor dem Hintergrund des angestrengten Schiedsverfahrens abgesagt. Dennoch versammelten sich etwa 15 Personen aus dem Marktplatz, um angesichts des Gesprächs Präsenz zu zeigen. Es handelt sich nach Polizeiangaben um Mieter des betroffenen Wohnblocks sowie um Bürger aus Beeskow und dem Umland.
Am Mittwoch hatte ein im Innenhof des Rathauses drapiertes Fernsehgerät mit der Aufschrift "Allah lebt - tick tick" für einen Großeinsatz der Polizei gesorgt. Spezialkräfte sprengten aus Sicherheitsgründen das Objekt mit Hilfe einer Wasserstrahlkanone. Wie sich später herausstellte, enthielt das TV-Gehäuse keine gefährlichen Ingredienzen. Hinweise über einen Zusammenhang der vermeintlichen Bombe mit den jüngsten Ereignissen sind derzeit nicht bekannt.