"Die meisten Kollegen arbeiteten online, etwa 95 Prozent der Unterrichtsstunden fanden digital statt", resümiert Jürgen Wesner vom Standort Beeskow. Und er lobt dankend den Landkreis als Träger: "Alle hauptamtlichen Lehrkräfte sowie die Honorarkräfte haben weiter ihr Gehalt bzw. Honorare bekommen, so konnten wir den Kollegen- und Schülerstand beibehalten."
Online kann nur einer spielen
Er ist positiv beeindruckt von der Flexibilität aller: "Das war ja für alle neu!" Der Online-Unterricht wurde von Lehrern vorwiegend mit privater Technik von zuhause aus geleistet. Manchmal störte eine schlechte Internetverbindung, öfter die Zeitverzögerung, gemeinsames Spielen geht online aus diesem Grund nicht. "Bei den jüngeren Musikschülern und Anfängern ist es noch schwieriger und weniger effektiv", räumt Wesner ein. Aber ältere, erfahrenere Musikschüler kämen gut mit dem neuen Format klar
Am 8. Mai lockerte das Land dann einige Regelungen. Unter Beachtung von Abstands- und Hygienevorschriften darf wieder Instrumentalunterricht mit bis zu fünf Schülerinnen stattfinden. Gesangsstunden, ob einzeln oder in Kleingruppen, sind jedoch weiterhin untersagt. An der Musikschule Oder-Spree wird seit Mittwoch wieder Präsenzunterricht gegeben. Damit sollen die Zahl der Ausfallstunden und eventuelle Gebührennachforderungen bis Schuljahresende vermieden werden. Vor allem sollen Schüler, die nicht am Online-Unterricht teilnehmen konnten, wieder Einzelunterricht erhalten, sowie diejenigen, denen im Juni Prüfungen bevorstehen, sich noch bestmöglich vorbereiten können.
"Wir öffnen das Haus teilweise, vor allem die großen Räume", erläutert Wesner. Es werde regelmäßig gelüftet, der Mindestabstand könne eingehalten werden. Diesbezügliche Empfehlungen hatte auch der Verband der Musik- und Kunstschulen Brandenburg (VDMK) herausgegeben: darunter Zugangskontrollen und -beschränkungen, Kontakterfassung und deren Aufbewahrung für vier Wochen, Einhaltung des Mindestabstands von 1,5 Metern, zeitversetztes Betreten und Verlassen des Raumes.
Die Schüler bringen meist ihre eigenen Instrumente mit. Außerdem seien laut Wesner bereits zusätzlich spezielle Desinfektionsmittel für Instrumente bestellt. Pianisten säuberten die Tasten nach jedem Spiel mit Desinfektionstüchern. Lehrer und Schüler spielten nicht vierhändig am selben Instrument, immer getrennt. Die entsprechenden Räume habe man extra so eingerichtet.
"Die Bläser bekommen die größten Räume", betont Wesner. Denn, ähnlich wie beim Gesang, warnen Forscher bei Blasinstrumenten: vor größeren Tröpfchen und der Bewegung der kleinen, sogenannten Aerosole. Das ist zwar umstritten, aber beide könnten potenzielle Virenüberträger sein. Die Charité empfiehlt gar zwei Meter Abstand für Bläser.
So können die Einzelstunden im Präsenzformat nur schrittweise und für einen Teil der Schüler und Lehrer starten. Darum läuft der Online-Unterricht parallel weiter. Dabei seien die Kollegen kreativ, erzählt Wesner: Ein Gitarren-Kollege nimmt Lernvideos auf. Für die Prüfungsschüler will die Korrepetitorin ihre Klavierbegleitung aufnehmen, damit die Prüflinge zuhause damit üben können. "Das sind natürlich alles Notbehelfe, es ersetzt nicht den realen Präsenzunterricht", betont der Musiklehrer. Aber es rette Schüler wie Lehrer immerhin bis zu den großen Ferien.
Orchester muss weiter warten
Düsterer ist die Lage für Ensembles. Wesners Jugendblasorchester mit 40 Musikern wird noch lange nicht wieder proben dürfen. Auch die Bläserklasse in der Beeskower Grundschule an der Stadtmauer pausiert: insgesamt 55 Kinder. Zu viele in Zeiten der Pandemie-Eindämmung. Auch bezüglich des für Ende Juli geplanten Probelagers ist Wesner pessimistisch, aber noch sei nichts abgesagt.
Zuversichtlicher schaut er auf den August: hoffentlich mehr Lockerungen und vollständiger Einzel-Präsenzunterricht, womöglich gar Orchesterproben im großen Saal des Schützenhauses? "Alles hängt daran, wie sich die Pandemie entwickelt", ist er sich bewusst. Immerhin sieht er den Landrat auf seiner Seite.