Diana Gallasch-Neuber ist in der Intensivpflege tätig, aber aktuell in Elternzeit, weil sie den kleinen Bela geboren hat. Die ältere Jette geht wegen der Corona-Schließungen seit Mitte März nicht mehr in ihre Kita in Ranzig. Der Alltag gestaltet sich schwierig – der Haushalt mit den zwei Kindern nimmt die 32-jährige Mutter voll in Anspruch. Ihr Mann ist vormittags berufstätig in der Baustoffverwertung. Außerdem ist er seit einem Arbeitsunfall zu 100 Prozent schwerbeschädigt und sitzt im Rollstuhl. Letztlich bleibt das Management von Kindern und Heim an der jungen Frau hängen. Viel Zeit für sich bleibt da nicht, höchstens am späten Abend. Ein Schicksal, dass viele Mütter in der Krise teilen.
"Meine Tochter vermisst ihre Erzieher und Freunde in der Kita, sitzt manchmal da und weint", klagt Gallasch-Neuber. Seit 14 Wochen könne sie höchstens einzelne Spielgefährten draußen treffen. Außerdem gehe Jette nun die Förderung der Vorschule verloren, die sie auf den neuen Lebensabschnitt ab August vorbereiten sollte. Sie selbst könne das nicht leisten. "Jette fällt oft hinten runter", erzählt die Mutter aufgebracht, "wir werden praktisch dafür bestraft, dass ich noch ein Kind bekommen habe."
Als am 27. Mai die neue Eindämmungsverordnung für Oder-Spree in Kraft trat, hoffte Gallasch-Neuber, dass ihre Tochter zu jenen Vorschulkindern zählen würde, die nun – "wenigstens ein oder zwei Tage" – in den eingeschränkten Regelbetrieb der Kita aufgenommen würden. Aber dafür müssten, das steht in dem Dokument einige Zeilen weiter, beide Elternteile versicherungspflichtig beschäftigt sein.
Von der Gemeinde Tauche, dem Träger ihrer Kita, erfuhr sie darum auf ihre Anfrage nur, dass ihre Tochter keinen Anspruch habe. "Wir verstehen die Sorgen und Nöte der Eltern", betonte Hauptamtsleiter Rainer Müller. Aber ohne Grundlage könne die Gemeinde keine Ausnahme von der Allgemeinverfügung machen. "Wir sind selbst nicht zufrieden. Wir prüfen alle Anfragen sorgfältig, können aber nicht alle Eltern zufriedenstellen."

Eine Frage der Kapazitäten

Aber in der Verfügung ist eine Staffelung vorgesehen: Seit 27. Mai gilt die Öffnung für Vorschulkinder, ab 8. Juni für Drei- und Vierjährige, ab 22. Juni für Krippenkinder. Dieses Datum müsse man nun abwarten, erläutert die Sachbearbeiterin Mandy Böhme. Danach könnten womöglich auch Vorschulkinder betreut werden, deren Elternteile nicht beide berufstätig sind. Dafür müsse die Kita dann allerdings noch über entsprechende Kapazitäten verfügen. Damit jedoch sieht es in der Ranziger "Waldameise" nicht gut aus, wie Leiterin Simone Dambeck einräumt: "Wir müssen die Hygienevorschriften einhalten. Damit haben wir aktuell keine freien Plätze." Eine maximale Gruppengröße von acht bis zehn Kindern pro Raum, abhängig von der Fläche, im Kindergarten sowie maximal sechs pro Krippengruppe sind erlaubt.
Eltern von Vorschulkindern empfiehlt Dambeck, einen regelmäßigen Alltag zu erhalten sowie Schulunterricht mit den Rollen Lehrer und Schüler zu spielen. "Natürlich im Rahmen ihrer Möglichkeiten", ergänzt sie verständnisvoll, denn sie weiß um die Herausforderungen von Homeoffice, Kinderbetreuung und Haushalt.
Diana Gallasch-Neuber wird das wenig helfen. Ihr bleibt vorerst nur, schon einmal einen Notbetreuungsantrag bei der Gemeinde zu stellen und zu hoffen, dass Ende Juni doch noch ein Plätzchen frei sein könnte. Und dass im August nicht auch noch Einschulung und Schulunterricht für ihre Tochter wegen Corona reduziert werden.