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"Ganz, ganz süß", schwärmt Irene Liebhart aus München, als sie am Stand von Viola Mruk Rosenlikör mit Prosecco probiert.Mit "ganz, ganz süß" meint die Münchnerin, die mit ihrem Mann auf Bootstour ist, aber nicht das Getränk, sondern den liebevoll gestalteten Markt, organisiert von Altstadtmanagerin Kerstin Müller. Alle Stände bestückt mit Produkten und Handwerksartikeln aus der Region: Töpferwaren, Säfte, Honig, Tücher, Filzsachen, Körbe, Brot aus dem Holzbackofen und noch warme Quarkeulchen, Wildwurst und vieles mehr. Die Händler in historischen Kostümen und mit etwas klammen Händen, denn morgens weht an diesem 2. Juni ein kalter Wind.
Zur Eröffnung begrüßt Bürgermeister Frank Steffen eine Majestät, den Preußenkönig Friedrich II., der aus Anlass seines 300. Geburtstages mal kurz von den Toten auferstanden ist, um sich in Beeskow auf "Inspektionsreise" zu begeben. Schon von weitem habe er die Kirche gesehen, dann die Stadtmauer überwunden und vieles Schöne entdeckt. Und er fragt den Bürgermeister, wie viel Einwohner denn jetzt die Stadt habe. "8200 offiziell", antwortet der Bürgermeister. "Aber wir haben Freunde auf der ganzen Welt. Beeskow ist überall". Der Alte Fritz staunt: "So ein Selbstbewusstsein muss man erst mal mitbringen." Als alle bestätigen, mit dem Bürgermeister ganz zufrieden zu sein, schenkt er ihm ein Fläschchen Kräuter und einen Goldtaler mit der Bemerkung: "Nimm nichts von fremden Königen."
Dann wird die Ausstellung "Beeskow macht Stadt" der Arbeitsgemeinschaft "Städte mit historischem Stadtkern", zu der Beeskow gehört, offiziell von Brigitte Faber-Schmidt (Vorstandsvorsitzende Kulturland Brandenburg e.V.) eröffnet, und Stadtführer Udo Ladewig führt Interessierte von Schautafel zu Schautafel. Die waren schon vor einigen Tagen in der Stadt aufgestellt worden, unter anderem zur Geschichte des immer wieder "wandernden Rathauses" in Beeskow.
In der oberen Etage der Alten Schule (unten verkaufen die Frauen der Kirchengemeinde Kuchen) hält der Historiker Sascha Bütow einen kurzweiligen, spannenden Vortrag zu Friedrich dem Großen und seiner Politik mit Auswirkungen bis nach Beeskow. Diese betrifft das Baugeschehen - Beeskow bekommt Pflaster und Bauten aus Stein - sowie die Besetzung des Magistrats. Zu Friedrichs Zeiten hatte Beeskow (1500 Männern lebten in der Stadt, Frauen und Kinder wurden nicht gezählt) einen Bürgermeister und zwei Stellvertreter und erstmals auch einen Kämmerer, den 1. Senator. Der König behielt sich das Recht vor, in Strukturen und Personen einzugreifen, berichtete Bütow. Aber der König habe auch Traditionen respektieren müssen. So ließen es sich die Beeskower Hüfner nicht gefallen, dass der Magistrat sie zu Transportleistungen für die Bauarbeiten dienstverpflichtete, sie müssten deshalb ihre Arbeit auf den Feldern vernachlässigen, schreiben sie in einem Brief an den König und wehren sich. Sie wollen, dass man sie bittet.
Wem die leckeren Häppchen auf dem Kirchplatz nicht reichten und inzwischen Hunger bekommen hat, konnte sich im Ältesten Haus eine Kartoffelsuppe holen (Preußenkönig hat schließlich die Kartoffel nach Brandenburg gebracht) und seinen Kindern beim von Waldtraud Johne (Kunstkreis) erdachten Königs-Quiz helfen. Gleich gegenüber ließ die "Kirchenklause" in der Gasse Spanferkel braten, serviert mit deftigem Sauerkraut.
Am Nachmittag ging es weiter auf dem Kirchplatz mit dem großen Chortreffen und mit dem gut besuchten Familienfest an der Stadtmauer. (Seite 13)